Nachdenk-Foyer
Weitergedacht
Weitere Impulse aus dem Nachdenkfoyer
Vielleicht mag der eine oder die andere einen Denkanstoß unseres neuen Nachdenk-Foyers aufgreifen und weiterverfolgen. Dafür haben wir an dieser Stelle einige Links zusammengestellt, die bei der Suche nach weiterführenden Informationen hilfreich sein können.
Zahlen und Fakten
Das Deutsche Historische Museum in Berlin bietet auf seiner Homepage einen sehr guten Überblick über das Zeitgeschehen in Deutschland (nicht nur) von 1933 bis 1945 und die Reihenfolge der Ereignisse. Unter »Lemo« finden Sie einführende Texte mit weiterführenden Links sowie einen ausführlichen Zeitstrahl für jedes Jahr.
Namen
Der deutsche Musikwissenschaftler Fred K. Prieberg (1928-2010) hatte mit seinem 1982 erschienenen Buch »Musik im NS-Staat« die erste systematische Darstellung zur Geschichte und Organisation der Musik im Nationalsozialismus vorgelegt und damit weitere musikwissenschaftliche Forschung zu diesem bis dahin eher tabuisierten Thema angeregt. Es folgten »Kraftprobe. Wilhelm Furtwängler im Dritten Reich« (1986) sowie »Musik und Macht« (1991). Als vorläufiges Ergebnis seiner Lebensarbeit als Experte für Musik in der NS-Zeit veröffentlichte er 2004 das »Handbuch Deutsche Musiker 1933-1945«. Aufgrund seines Umfangs von etwa 10.000 Druckseiten fand sich jedoch kein Verleger für dieses umfangreiche Kompendium, so dass Prieberg es schließlich privat als CD-ROM vertrieb. Als »work in progress« konzipiert, hat Prieberg 5.500 Lebenswege von Musikern der NS-Zeit detailliert recherchiert. Inzwischen ist es online abrufbar: Fred K. Prieberg: »Handbuch Deutsche Musiker 1933-1945«, 2. Edition (2009)
Sein umfangreiches Privatarchiv zur Musik des 20. Jahrhunderts, das »Archiv Prieberg«, wird seit 2005 vom Musikwissenschaftlichen Institut der Christian-Albrechts-Universität Kiel verwaltet.
Das Institut für historische Musikwissenschaft der Universität Hamburg hat mit seinem »Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit« (LexM) ein Online-Nachschlagewerk geschaffen, das über Berufsmusiker:innen informiert, die den Repressalien des NS-Terrors ausgesetzt waren.
Ein lesenswerter Essay von Thomas Höpel (2014) über »Die Abwehr internationaler Kunst im Nationalsozialismus« beschreibt anschaulich die bereits 1928 einsetzende Manipulation des Kunst- und Kulturbetriebes durch die Nationalsozialisten mit Gründung des »Kampfbundes für deutsche Kultur«.
Das NS-Dokumentationszentrum in München vermittelt die Geschichte des Nationalsozialismus mit Blick auf die Gegenwart und Zukunft. Die historischen Erfahrungen werden im aktuellen und globalen Zusammenhang betrachtet.
Literatur
Grundsätzlich lesenswert sind die Publikationen des Historikers Peter Longerich, hier eine Auswahl:
- »Hitlers Stellvertreter. Führung der NSDAP und Kontrolle des Staatsapparates durch den Stab Heß und die Partei-Kanzlei Bormann«. K.G. Saur, München 1992
- »Heinrich Himmler. Eine Biographie«. Siedler, München 2008
- »Goebbels. Biographie«. Siedler, München 2010
- »Hitler. Biographie«. Siedler, München 2015
- »Unwillige Volksgenossen. Wie die Deutschen zum NS-Regime standen. Eine Stimmungsgeschichte«. Siedler Verlag, München 2025
Willem de Vries »Sonderstab Musik. Organisierte Plünderungen in Westeuropa 1940-45«, Dittrich-Verlag, Köln, 1998. Der niederländische Musikwissenschaftler Willem de Vries (*1939) behandelt in diesem Buch die Tätigkeit des berüchtigten Einsatzstabes Rosenberg und dessen ›Sonderstab Musik‹ vor allem im besetzten Frankreich. Mit seiner Publikation sorgte er für einiges Aufsehen, weil er erstmals die Helfershelfer benennt, darunter auch renommierte Professoren, die nach dem Krieg ihre Karriere an deutschen Universitäten fortsetzen konnten.
In eigener Sache soll auch das Buch »Beethoven unterm Hakenkreuz. Das Oldenburgische Staatsorchester während des Nationalsozialismus« nicht unerwähnt bleiben. Gunilla Budde und Mareike Witkowski haben es 2007 anlässlich des 175. Geburtstages des Oldenburgischen Staatsorchesters herausgebracht. Es ist inzwischen nur noch antiquarisch erhältlich. Eine ausführliche Rezension findet sich in der Online-Ausgabe der Zeitschrift »Das Orchester« (7-8/2008).