Arendt. Denken in finsteren Zeiten
Von Rhea Leman
Die für ihre Gedanken zum Aufstieg des Totalitarismus weltberühmt gewordene Hannah Arendt kehrt 1975 nach Europa zurück, um einen Preis für ihren »Beitrag zur europäischen Zivilisation« entgegenzunehmen. Während sie in ihrem Hotelzimmer in Kopenhagen an jener Rede schreibt, die ihre letzte sein wird, ziehen Geister einer Vergangenheit auf, die bis tief in die Gegenwart wirken. Ihr geliebter, bereits verstorbener Ehemann Heinrich Blücher erinnert sich gemeinsam mit der jüdischen Philosophin: an ihre Verhaftung durch die Nazis in Deutschland; ihre Flucht nach Paris, wo sie nach Einmarsch der Deutschen in einem Frauenlager interniert wurde; wie sie von dort entkommen konnte; die beiden sich durch Zufall wiederfanden und für die bereits mauernde USA schließlich doch noch ein Visum ergattern konnten. Aber auch ein hämischer Adolf Eichmann sucht die politische Theoretikerin immer wieder albtraumartig heim. In aufwühlenden Gesprächen ringt Arendt auch damit, was ihr wohl umstrittenstes Werk »Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen« für sie persönlich bedeutet.
In dem zeitgenössischen Stück zeichnet Rhea Leman das komplexe Porträt einer der bedeutendsten Denkerinnen des 20. Jahrhunderts, die trotz Staatenlosigkeit und Flucht die Hoffnung nicht aufgab.