Der gute Mensch von Sezuan
Von Bertolt Brecht, unter Mitarbeit von Ruth Berlau und Margarete Steffin
In eine vom Kapitalismus verhärtete Welt treten drei Götter, um nach einem »guten Menschen« zu suchen, der ihnen Unterschlupf gewährt. Sie finden Shen Te, eine junge Frau, die sie bei sich aufnimmt, obwohl sie die Mittel dazu nicht hat, die Bitte jedoch nicht ausschlagen kann. Zufrieden, zumindest einen guten Menschen gefunden zu haben, hinterlassen die Götter der jungen Frau eine kleine Summe Geld, von der sie sich selbstständig machen kann. Ihr Laden läuft, doch die Not in der Stadt ist groß. So kommen immer wieder Stadtbewohner:innen zu ihr und bitten um Unterstützung. Shen Te, bald »Engel der Vorstädte« genannt, hilft, wo sie kann, doch mehr und mehr treibt es sie in den eigenen finanziellen Ruin. Als sich Shen Te in den von seiner Karriere träumenden Yang Sun verliebt und ein Kind von ihm erwartet, trifft sie eine Entscheidung: Sie verkündet, Shen Te sei verschwunden und gibt sich als ihr Cousin Shui Ta aus, welcher mit Härte die Notbittenden abweist und den eigenen finanziellen Vorteil im Blick behält.
Ist Shen Tes Geschichte eine der Emanzipation, in der eine Frau lernt, Nein zu sagen? Oder erzählt die Parabel von einer Frau, die sich männliche Verhaltensweisen aneignen muss, um in einer gewaltvollen Welt zu überleben?