Orfeo ed Euridice
Oper in drei Akten von Christoph Willibald Gluck (Wiener Fassung 1762)
Dichtung von Ranieri de Calzabigi
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Der Orpheus-Mythos, in dem der Sänger Orpheus nach dem Tod seiner geliebten Frau Eurydike in die Unterwelt hinabsteigt, um sie ins Reich der Lebenden zurückzuholen, ist ein Grundstein der Operngeschichte. Die Uraufführung von Monteverdis »L’ Orfeo« 1607 in Mantua gilt als Geburtsstunde der Oper. 155 Jahre später schuf Christoph Willibald Gluck wieder eine Orpheus-Vertonung, die die Geschichte der Gattung maßgeblich prägen sollte und ein Wegbereiter für Mozarts Opernschaffen wurde.
In Glucks »Orfeo ed Euridice« steht Orfeos Trauer um die verstorbene Euridice am Anfang. Amor erlaubt ihm, in die Unterwelt hinabzusteigen und sie zurückzuführen; unter der einen Bedingung: sie auf dem Weg ins Leben nicht anzusehen. Doch Euridice verzweifelt an seinem Schweigen und zweifelt an seiner Liebe. Orfeo blickt sie schließlich an und verliert sie ein zweites Mal. Erst durch Amors Eingreifen wird das Paar am Ende wiedervereint.
Regisseurin Aileen Schneider interessiert dabei weniger der Mythos der heroischen Liebestat, sondern die existenzielle Erfahrung von Verlust, Abschied und Trauer. Was bedeutet es, einen geliebten Menschen wirklich gehen zu lassen? Ist Loslassen nicht vielleicht der größere Liebesbeweis als das verzweifelte Festhalten? So ergibt sich auch die Frage nach der Macht der Erinnerung: Wie lebendig halten Erinnerungen die Toten und wie schmerzhaft können sie sein? Amor erscheint dabei nicht nur als Gott der Liebe, sondern als ambivalente Kraft im Trauerprozess, die zwischen Trost, Hoffnung und Illusion vermittelt.