Fidelio
Oper von Ludwig van Beethoven
Libretto von Joseph Sonnleitner, Stephan von Breuning und Georg Friedrich Treitschke
Nach dem Libretto für die Oper »Léonore, ou L’Amour conjugal« von Pierre Gaveaux und Jean Nicolas Bouilly (1798)
Halbszenische Aufführung in deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln
Polit-Thriller und zentrales Werk des Humanismus, das von Freiheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit handelt, aber auch von Treue – lateinisch »fidelitas«. Und so lautet »Fidelio« auch der Deckname der Frau, die sich hier in Männerkleidern in das Staatsgefängnis von Sevilla einschleust, um dort im Alleingang einen politischen Häftling zu befreien – ihren Gatten Florestan, den der machtbesessene und brutale Gouverneur Don Pizarro einst inhaftiert hatte, weil er dessen Verbrechen enthüllen wollte. Als Don Pizarro erfährt, dass der Minister Opfer willkürlicher Gewalt unter den Gefangenen vermutet und eine Untersuchung vor Ort plant, beschließt er, Florestan eigenhändig umzubringen. Im tiefsten Kerker kommt es schließlich zum Showdown: Als Don Pizarro den Dolch zückt, gibt Fidelio sich als Frau zu erkennen und wirft sich mutig dazwischen.
Indem die Regisseurin Vera Nemirova dieses Werk für ihre halbszenische Umsetzung um ergänzende Texte erweitert, gewinnt es an moralischer Komplexität und psychologischer Tiefe. Die Handlung erscheint dadurch nicht mehr nur als heroischer Gegensatz von Gut und Böse, sondern macht sichtbar, wie alltägliche Mitläufer, Zweifel und Selbstrechtfertigungen Teil des dramatischen Geschehens sind. So entsteht eine erweiterte, vielschichtige Perspektive auf Verantwortung, Pflicht und menschliche Schwäche.