Martha Graham

Die Tänzerin und Choreografin Martha Graham (1894-1991) war eine Pionierin des amerikanischen Modern Dance im 20. Jahrhundert. Sie wird als Künstlerin in einem Atemzug mit Pablo Picasso, Igor Strawinsky, James Joyce und Frank Lloyd Wright genannt. 1998 kürte sie das TIME Magazine zur „Tänzerin des Jahrhunderts“. Als Choreografin schuf sie 181 Werke und eine Tanztechnik, die in ihrem Ausdrucksspektrum und in ihrer Vielfalt mit dem klassischen Ballett verglichen wurde. Martha Graham wurde in Allegheny, das später ein Teil von Pittsburgh wurde, im Bundesstaat Pennsylvania, USA geboren und zog im Teenageralter nach Santa Barbara in Kalifornien. 1911 sah sie in Los Angeles eine Vorstellung von Ruth St. Denis, bei der sie von an der gemeinsam mit Ted Shawn neugegründeten Denishawn School of Dancing and Related Arts studierte. 1926 gründete Martha Graham in New York ihre eigene Company und Schule, wo sie auch ihre als Martha Graham-Technik bekanntgewordene Bewegungssprache entwickelte. Sie basiert auf dem Gegensatz von „contraction and release“, also einem Wechsel von größter Muskelanspannung und Entspannung. Davon ausgehend baute sie ein Bewegungsvokabular auf, das den emotionalen Ursprung jeder tänzerischen Bewegung hervorhebt. Sie klassifizierte die Bewegungsmuster als „scharf“, „eckig“, „zackig“ und „direkt“. Mit ihrer Vision vom Umgang mit dem Körper der Tänzer*innen revolutionierte sie die Tanzwelt und ihre Ideen wirken bis heute bei zahlreichen Choreograf*innen und Tänzer*innen nach. Martha Graham schöpfte Inspiration für ihre Ballette aus vielen unterschiedlichen Quellen wie der modernen Malerei, der amerikanischen (Siedlungs-)Geschichte, indianischen, mexikanischen und hinduistischen Riten, der griechischen Mythologie sowie der Lektüre von C. G. Jungs psychologietheoretischen Schriften. Viele ihrer großen Rollen sind Portraits von historischen oder mythologischen Frauengestalten: Klytemnestra, Iocaste, Medea, Phaedra, Jeanne d‘Arc und Emily Dickinson. Für zahlreiche ihrer Produktionen entwarf Martha Graham auch die Kostüme, später arbeitete sie auch mit Modedesignern wie Halston, Donna Karan und Calvin Klein. Für ihre Bühnenbilder verband sie eine langjährige Zusammenarbeit mit dem Bildhauer und Designer Isamu Noguchi. Sie vergab Auftragswerke an bekannte zeitgenössische Komponisten wie Aaron Copland, Louis Horst, Samuel Barber, William Schuman, Carlos Surinach, Norman Dello Joio und Gian Carlo Menotti. Aus ihrer Company gingen u. a. die modernen Choreograf*innen Merce Cunningham, Paul Taylor und Twyla Tharp hervor. Sie kreierte auch Rollen für klassische Tänzer*innen wie Margot Fonteyn, Rudolf Nurejew und Michail Baryschnikow, die als Gäste mit ihrer Company auftraten. Am The Neighberhood Playhouse war sie Bewegungscoach für zahlreiche Schauspieler*innen wie u. a. Betty Davis, Kirk Douglas, Madonna, Liza Minelli, Gregory Peck und Tony Randell. Martha Graham wurde mit zahlreiche Preisen ausgezeichnet, wie 1959 mit dem Laurel Leaf der American Composers Alliance für ihre Verdienste für die Musik. 1976 verlieh ihr Präsident Gerald R. Ford die höchste zivile Ehrung der USA, die Medal of Freedom. 1985 bekam sie von Präsident Ronald Reagan als eine er ersten überhaupt die United States National Medal of Arts. 1986 erhielt sie den Local One Centenniel Award for Dance. 

©Cris Alexander