Souveränität riskieren

Jörg Holkenbrink zur Zukunft einer Kontext-orientierten Inszenierungs- und Aufführungspraxis in den Darstellenden Künsten


“The moment is ripe to activate new models and proposals for how arts organizationscan flourish in the present climate and into an uncertain future. Can we begin to thinkof ourselves, rather than stagers of plays, as orchestrators of social interactions inwhich a performance is a part, but only a fragment of that interaction? Can we developcommunities of individuals who are participants of an ongoing dialogue?“
Anne Bogart, US-amerikanische Regisseurin und Theaterprofessorin


Im Prozess der Globalisierung, Pluralisierung und Individualisierung treffen unterschiedliche Wissenskulturen auf oft ungewohnte Weise aufeinander. Insbesondere das Verhältnis von künstlerischem Wissen, wissenschaftlichem Wissen und dem sogenannten Alltagswissen gerät in immer neuen Konstellationen in Bewegung. Von daher ist es relevant, Voraussetzungen,Möglichkeiten und Wirkungen solcher Verknüpfungen zu erkunden.
Eine der Zukünfte der Darstellenden Künste könnte darin liegen, dass ihre Protagonist*innen die Theaterhäuser immer wieder verlassen und ihre performativen Strategien, Inszenierungen und Versuchsanordnungen in völlig neue Kontexte einbetten, die auf andere Weise aktuelle Themen und Fragestellungen durchspielen. Performer*innen und ihr Publikum würden so verstärkt die Verantwortung für die Qualität ihrer Begegnung teilen. Allerdings gehen alle Beteiligten, die sich auf diese Art der Verknüpfungskunst einlassen, ein nicht zu unterschätzendes Risiko ein, weil diese Form der gemeinsamen Erkundung auf allen Seiten einen veränderten Umgang mit dem sogenannten „Nicht-Wissen“ herausfordert. Wobei gerade in diesem „Nicht-Wissen“ und „Nicht-Verstehen“ die große Chance der wechselseitigen Bereicherung besteht. Mit anderen Worten: Wer sich auf die Produktivität der Fremdheit im Umgang mit Gegenständen und Situationen, mit anderen und mit sich selbst einlassen möchte, muss souverän genug sein, seine eigene Souveränität aufs Spiel zu setzen. Der interaktive Vortrag geht der Frage nach, inwieweit künstlerische (Qualifikations-)Projekte schon heute auf eine solche Kontext-orientierte Inszenierungs- und Aufführungspraxis vorbereiten können.


Jörg Holkenbrink ist Leiter des Zentrums für Performance Studies der Universität Bremen (ZPS) und künstlerischer Leiter des Theaters der Versammlung (TdV). Als Regisseur inszeniert er vorwiegend an den Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Kunst. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören u.a. Wissenskulturen im Dialog sowie Wissenskulturen und ihre Aufführungen.

Dieses Gastspiel findet im Rahmen des flausen+ BANDEN!-Festivals statt.

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Termine

14.05. 17.00 Uhr

Genre: Interaktiver Vortrag

Spielstätte

Kulturhalle am Pferdemarkt Anfahrt