ORATORIUM

von She She Pop

Kollektive Andacht zu einem wohlgehüteten Geheimnis

© Benjamin Krieg

Eigentum verändert das Bewusstsein. Es trennt Freund*innen, es erteilt Macht über andere,es schließt aus. Eigentum ist selbstverständlich. Und man spricht nicht darüber. Nichts ist so konstituierend für unsere Gesellschaft und unser Zusammenleben, nichts wirkt so trennend auf die Gemeinschaft wie das Eigentum. She She Pop möchten mit ,Oratorium‘ das Geheimnis des Eigentums lüften, es auf eine Bühne zerren. Man sagt, das Theater westlicher Ausprägung beginnt mit dem Protagonisten Thespis, der sich vor 2500 Jahren vor den Chor gestellt hat. Man könnte aber auch sagen: In diesem Moment ist die Bühne privatisiert worden. Das Individuum wurde seither konsequent überschätzt, überfordert und emotional ausgebeutet. ,Oratorium‘ möchte ein Schlaglicht auf den Zusammenhang von bürgerlicher Öffentlichkeit,Eigentum und demokratischer Ermächtigung werfen. Gemeinsam mit dem Chor der lokalen Delegierten und ihrem jeweiligen Publikum werden ,She She Pop‘ über Eigentum sprechen und auf die eigenen Besitzverhältnisse, die Verteilung der Güter und die damit verbundenen Verwerfungen schauen. Inspiriert von Brechts Lehrstücktheorie entwickeln sie Regeln für den dialogischen Theaterabend und bilden uneinige Sprechchöre, die jeden Abend aufs Neue unseren Umgang mit dem Eigentum verhandeln. Wer darf sprechen? Wer ist präsent,wer wird repräsentiert? Aus der Vielstimmigkeit, der Uneinigkeit und dem immer nur für Momente zu erreichenden Einklang entsteht ein kollektiver Monolog.

,Oratorium‘ ist ein work-in-progress, dessen Premiere im Februar 2018 am HAU Hebbel am Ufer in Berlin stattgefunden hat. Ein erstes Showing war 2017 bei Theaterformen in Hannover zu sehen, und es folgten weitere Stationen beim Konfrontacje Teatralne Festival in Lublin und dem ACT Independent Theater Festival Sofia. ,Oratorium‘ war auf einer Reise durch Europa,in deren Verlauf es Momentaufnahmen aus anderen ökonomischen Mikrokosmen gesammelt hat und sich von Station zu Station weiter entwickelt zu einer großen vielstimmigen Andacht.

Eine Produktion von She She Pop in Koproduktion mit HAU Hebbel am Ufer Berlin, Festival Theaterformen, Münchner Kammerspiele, Kampnagel Hamburg, Schauspiel Leipzig, Schauspiel Stuttgart, Kaserne Basel, FFT Düsseldorf, Künstlerhaus Mousonturm, ACT Independent Theater Festival Sofia, Konfrontacje Teatralne Festival Lublin. Gefördert durch dieKulturstiftung des Bundes und die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa. www.kulturstiftung-des-bundes.de

Dieses Gastspiel findet im Rahmen des flausen+ BANDEN!-Festivals statt.

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Pressestimmen

„Das Oratorium gibt keine Antwort – aber jede Menge Anregungen zum Weiterdenken und mit dem Element der gemeinsamen Chöre eine Anleitung zur kollektiven Selbstermächtigung.“
Andrej Holm, Nachtkritik, 13.05.19

„All in all, Oratorium is a triumph of experimental performance: it democratises the space ofthe theatre to tap into a pressing public discourse, it blows up the concept of passiveentertainment by highlighting our collective complicity in capitalistic property relations, and itdelivers an inspiring show of solidarity in the process. But, aware of its own formal limitations,it ends on a self-critical, yet optimistic note. Question: what use is all of this? Answer: it's arehearsal for what's to come. As the evening comes to a close and my neighbour and I returnto our divergent economic realities, I feel that we both leave the theatre with a heightenedsensibility for the nuances of property relations. And that's a testament to a powerful, politicalperformance. Bertie would approve."
Nicholas Potter, Theatertreffen-Blog 2019, 12.05.19

Die Inszenierung ist am stärksten, wenn sie das Publikum beteiligt, dieses im Wechselspiel mit den Darstellern die eingeblendeten Texte spricht und sich zu ihnen verhält. Etwa, wenn alle Erben dazu aufgefordert werden, auf der Bühne zu sagen, was sie erben werden und die Gesamtsumme ihrer Erbschaften zusammenzurechnen. Die altgediente Regel "Über Geld spricht man nicht" wird ausgehebelt, der Zuschauer zum Voyeur. Als ein Mann erklärt, ererbe ein Haus mit Garten in Sachsenhausen, geht ein Raunen durchs Publikum -Frankfurter wissen, wie viel sein Besitz wert ist. "Oratorium" appelliert an die moralische Verantwortung der Besitzenden, aber die Inszenierung offenbart auch Widersprüche, in die ein einzelner Wohnungsbesitzer geraten kann und entgeht so einer einseitigen Moralisierung. Indem das Publikum als Chor benutzt wird, zeigt sie auf, dass die Verteilung von Besitz nicht nur eine private, sondern eine gesellschaftliche Angelegenheit ist."
Grete Götze, Frankfurter Rundschau, 03.09.2018

Überhaupt ist "Oratorium" von der ersten Sekunde an, sehr, sehr unterhaltsam. ... Nicht nur,weil der ein oder andere kluge Gedanke formuliert wird, der jeden betrifft, auf der Bühne und der Tribüne. Sondern weil man heutzutage ja selten erlebt, dass jemand, in heiterer Strenge,wirklich versucht, nach Form, Wort und Musik die Lehrstücke Bertolt Brechts als Vorlage zunehmen. Lehrstücke, weil alle etwas lernen können, und weil es im Grunde kein Publikum gibt. Weshalb all jene, die nun bei den drei Frankfurter Aufführungen mit sprachen, als Chor keinen geringen Anteil am Gelingen hatten."
Eva-Maria Magel, FAZ, 03.09.2018

Video

Eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2019

Von und Mit: Sebastian Bark, Johanna Freiburg, Fanni Halmburger, Lisa Lucassen, Mieke Matzke,

Ilia Papatheodorou, Berit Stumpf sowie dem Chor der lokalen Delegierten
Bühne: Sandra Fox

Kostüme: Lea Søvsø
Musik: Max Knoth
Trompete: Richard Koch
Vibraphon: Karl Ivar Refseth

Künstlerische Mitarbeit Produktion: Ruschka Steininger
Dramaturgische Mitarbeit: Peggy Maedler
Künstlerische Mitarbeit Tour: Laia Ribera, Alisa Tretau
Hospitanz: Magdalena Weber

Ausstattungsassistenz: Vivien Waneck
Technische Leitung & Lichtdesign: Sven Nichterlein

Übertitelprogramm: Panthea
Produktionsleitung: Anne Brammen
Kommunikation: ehrliche arbeit - freies Kulturbüro
Freie Mitarbeit Organisation: Tina Ebert
Administration: Aminata Oelßner
Company Management: Elke Weber.

Termine

Im Anschluss an die Vorstellung am 16.05. Nachgespräch

Dauer

100 Minuten

Genre: Performance | Dauer: 100 Minuten