Grosse Pianisten im Kleinen Haus

Verein der Musikfreunde Oldenburg e.V.
Tel 0441.2225-141
Fax 0441.2225-220
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www.musikfreunde-oldenburg.de

Karten kaufen über den Kalender, im Ticketshop oder an der Theaterkasse (Di — Fr 10 — 18 Uhr, Sa 10 — 14 Uhr, 0441.2225-111)

30.09.2018 | 11.15 Uhr | Kleines Haus

Alexander Melnikov

Kleines Haus

Anfahrt

Werke von:

Franz Schubert
Fantasie C-Dur op. 15 D 760 Wanderfantasie

Frédéric Chopin
12 Etüden op. 10


Franz Liszt
Reminiscences of Mozart´s Don Giovanni

Igor Stravinsky
Drei Szenen aus der Petruschka-Suite

Alexander Melnikov

Alexander Melnikov absolvierte sein Studium am Moskauer Konservatorium bei Lev Naumov. Zu seinen musikalisch prägendsten Erlebnissen zählen die Begegnungen mit Svjatoslav Richter, der ihn regelmäßig zu seinen Festivals in Russland und Frankreich einlud. Er ist Preisträger bedeutender Wettbewerbe wie dem Internationalen Robert-Schumann-Wettbewerb (1989) und dem Concours Musical Reine Elisabeth in Brüssel (1991).
Seine musikalischen und programmatischen Entscheidungen sind oft ungewöhnlich. Sehr früh begann Alexander Melnikov, sich mit der historischen Aufführungspraxis auseinanderzusetzen. Wesentliche Impulse erhielt er von Andreas Staier und von Alexei Lubimov, mit dem er in zahlreichen Projekten zusammengearbeitet hat. Regelmäßig steht er mit namhaften Ensembles für Alte Musik wie dem Freiburger Barockorchester, Musica Aeterna, der Akademie für Alte Musik Berlin oder dem Orchestre des Champs-Élysées auf der Bühne.
Unter den Orchestern, bei denen Alexander Melnikov als Solist gastierte, finden sich das Royal Concertgebouw Orchestra, Gewandhausorchester Leipzig, Philadelphia Orchestra, NDR Elbphilharmonie Orchester, HR-Sinfonieorchester und Russian National Orchestra sowie die Münchner Philharmoniker, Rotterdam Philharmonic, BBC Philharmonic und NHK Symphony. Er arbeitete mit Dirigenten wie Mikhail Pletnev, Teodor Currentzis, Charles Dutoit, Paavo Järvi, Thomas Dausgaard und Valery Gergiev zusammen.
Mit Andreas Staier erarbeitete Alexander Melnikov ein Programm, das Auszüge aus Bachs Wohltemperiertem Klavier mit den 24 Präludien und Fugen von Schostakowitsch in einem musikalischen Gespräch korrespondieren lässt. Gemeinsam haben sie auch ein reines Schubert-Programm zu vier Händen aufgenommen und im Konzert gespielt. Eine intensive Kammermusikpflege mit dem Cellisten Jean-Guihen Queyras gehört für Alexander Melnikov zu den unverzichtbaren Bestandteilen seiner Arbeit.
Überaus wichtig sind ihm auch Kammermusikkonzerte mit seiner langjährigen festen Duopartnerin Isabelle Faust. Ihre gemeinsame Gesamteinspielung sämtlicher Beethoven-Violinsonaten bei harmonia mundi, die u.a. mit dem Gramophone Award und dem ECHO Klassik 2010 ausgezeichnet sowie für den Grammy nominiert wurde, ist zu einer Referenzaufnahme geworden. Im September 2015 erschien ihre Einspielung der Brahms-Sonaten für Violine und Klavier.
Die von ihm ebenfalls bei harmonia mundi veröffentlichten Präludien und Fugen von Schostakowitsch wurden u.a. mit dem BBC Music Magazine Award 2011, dem Choc de classica 2010 und dem Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. 2011 wurde dieses Album vom BBC Music Magazine als eine der 50 wichtigsten Aufnahmen aller Zeiten genannt. Zusammen mit Isabelle Faust, Jean-Guihen Queyras, Pablo Heras-Casado und dem Freiburger Barockorchester nahm Alexander Melnikov eine Schumann-Trilogie mit den Konzerten und Klaviertrios auf. Im November 2016 erschien eine Aufnahme mit Werken von Prokofiev und im Juni 2017 ein Album mit Werken von Chausson und Franck.
Ab der Saison 2017/18 präsentiert Alexander Melnikov das Projekt „Der Mann mit den vielen Klavieren“. Dieses Programm wird auf drei Instrumenten gespielt, die jeweils den Stil ihrer Zeit widerspiegeln. Neben Konzerten mit Musica Aeterna, dem Ensemble Resonanz und dem Orchestra Sinfonica Nazionale Rai setzt er seine Zusammenarbeit mit der Camerata Salzburg sowie als künstlerischer Partner mit der Tapiola Sinfonietta fort.
Zu den weiteren Höhepunkten der Saison zählen u.a. Rezitale in der Cité de la Musique Paris, im Muziekgebouw aan’t Ij Amsterdam, im de Singel Antwerpen, in der Kölner Philharmonie und dem Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie und in der Saison 2018/19 eine Residenz in der Londoner Wigmore Hall.

 

 

10.11.2018 | 20 Uhr | Exerzierhalle 

Wortspiel 

Gesprächskonzert mit Maraike Brüning

Exerzierhalle 

Anfahrt

Werke von:
Frédéric Chopin
Konzertetüden
op. 10
op. 25
und weitere Werke


Maraike Brüning hat sich als Pianistin einen Namen gemacht, indem sie mit klassischer Musik neue Wege geht, um mit ungewöhnlichen Präsentationen ein neues Publikum zu erreichen.
Geboren 1989 bei Stuttgart, erhielt Maraike Brüning ihren ersten Klavierunterricht im Alter von sieben Jahren. Ihr Klavierstudium begann sie 2010 an der Musikhochschule Lübeck. 2012 wechselte sie an das Royal Conservatoire of Scotland (RCS), wo sie 2014 ihren Bachelor of Music mit Auszeichnung abschloss.
Mit einem Stipendium konnte sie ihre Zeit am RCS im Rahmen eines Solo-Klavier-Masterstudiums fortsetzen. Ihre Masterarbeit, „A Summer Heart – the fascinating life of Alice Herz-Sommer”, wurde 2015 mit Begeisterung aufgenommen und mehrfach wiederholt. Von 2015 bis 2016 rundete Maraike Brüning ihre Ausbildung mit einem weiteren Studienjahr am Royal Conservatoire of Scotland ab.
Neben ihrer regen Tätigkeit als Solistin und Kammermusikerin sieht die Pianistin ihren persönlichen Weg besonders in Zusammenarbeit mit anderen Kulturen und Kunstformen.
Die Kooperation mit Musikern aus der arabischen Welt führte sie seit 2012 regelmäßig nach Tunesien und Deutschland. Die Zusammenarbeit mit dem RCS Modern Ballet Department und mit dem Theaterensemble Torrent Theatre gaben ihrer kreativen Entwicklung weitere Anstöße.
Mit Projekten wie „An Eyeful of Sound“ (2015) mit dem Architekten und Lichtdesigner Robbie Thompson oder „Dancing Blue“ (2016) mit der Malerin Enya Lachman-Curl konnte sie ihre künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten erweitern.
Von 2016 bis 2017 lebte und arbeitete Maraike Brüning in London. Sie fertigte Übersetzungen für eine Dokumentation der BBC und war in einer Kirchengemeinde im Süden der britischen Hauptstadt als Organistin sowie Chor- und Ensembleleiterin engagiert. An Schulen präsentierte sie ihr Projekt „Sommerherz“.
Im Sommer 2017 ist Maraike Brüning nach Deutschland gezogen, zunächst nach Stuttgart und dann nach Berlin, wo sie jetzt als Klavierpädagogin tätig ist.
Sie arbeitet an neuen Konzer­ten/Performances, u. a. zu den Themen „Wechselspiel – Impressionismus in Kunst und Musik“ und „Alma Mahler – Muse und Femme Fatale“ (beides noch Arbeitstitel).
Maraike Brüning hat sich im Rahmen ihrer pianistischen Ausbildung mit der außerordentlich bewegenden Lebensgeschichte der Konzertpianistin und Klavierlehrerin Alice Herz-Sommer beschäftigt, die im Februar 2014 im hohen Alter von 110 Jahren gestorben ist.
In eine jüdische Familie in Prag hineingeboren, traf Alice Herz-Sommer schon als Kind bedeutende künstlerische Persönlichkeiten wie Franz Kafka, Gustav Mahler und andere.
Obwohl viele ihrer Freunde und Verwandten das Land verließen, nachdem die Nationalsozialisten 1938 die Tschechoslowakei besetzt hatten, blieb Herz-Sommer, um sich um ihre kranke Mutter zu kümmern und wurde gemeinsam mit ihrem jungen Sohn ins Konzentrationslager Theresienstadt eingeliefert. Dort war sie dann eine der Musikerinnen und Musiker, die gezwungen wurden, für die Gefangenen und für Besuchsdelegationen des Roten Kreuzes zu spielen, die ins KZ eingeladen worden waren, um Gerüchte über Vernichtungslager auszuräumen.
Obwohl etwa 33.000 Insassen im Lager starben und noch viel mehr nach Auschwitz und in andere Vernichtungslager deportiert wurden, überlebten sie und ihr Sohn den Nationalsozialismus, anders als viele ihrer Verwandten einschließlich ihres Ehemanns Leopold.
Für Maraike Brüning ist die tschechische Pianistin Herz-Sommer mit ihrer Überzeugung, dass Musik ein entscheidender Grund für ihr Überleben war, zu einer sehr persönlichen Heldin geworden. „Herz-Sommer sagte sogar: ‚Es mag sein, dass wir nicht viel zum Essen brauchten, weil wir die Musik hatten.‘ Das zeigt, was Musik in Zeiten bewirken kann, in denen alles andere zusammenzubrechen scheint. Für mich war das wirklich ermutigend. Ihre Geschichte ist seit fünf oder sechs Jahren Teil meines Lebens. Ich habe eine Biografie über sie gelesen, die mich sehr beeindruckt hat und einen großen Einfluss auf mein Studi­um hatte“, so Maraike Brüning.
„Als die Nationalsozialisten in die Tschechoslowakei einmar­schierten, war sie gerade dabei, sich alle Etüden zu erarbeiten, und so war es aufregend für mich, einige der Etüden zu lernen und sie in ein kleines eigenes Projekt als Teil eines Meis­terkurses einzubringen, und ich habe es jetzt auch noch für externe Konzerte weiterentwickelt.“
Bedauerlich ist es für Maraike Brüning, dass es ihr nicht möglich war, Aufnahmen von Herz-Sommer aus ihren besten Jahren zu hören. „Leider ist davon nicht viel übrig geblieben“, sagt sie. 
In ihrem Gesprächskonzert möchte Maraike Brüning zeigen, dass beide Musikerinnen, die in derselben deutschen klassischen Tradition ausgebildet worden sind, in ihrer musikalischen Bildung einem ähnlichen Muster folgen, obwohl sie fast ein Jahrhundert trennt. „Vieles von ihrem Repertoire entspricht dem, mit dem auch ich auf- gewachsen bin – Brahms und Mozart und besonders Schubert und Bach. Insbesondere in Deutschland, wo ich vorher studierte, waren es genau diese Komponisten, die im Zentrum der Ausbildung standen“, sagt Brüning. „Alice Herz-Sommer spielte viel zeitgenössische tschechische Musik und ebenso Uraufführungen, die Freunde von ihr komponiert hatten, was zeigt, dass sie auch daran interessiert war.“ „Es ist eine sehr berührende Geschichte, weil nicht alles aus ihrem Leben dunkel ist. Ihre Produktivität und ihr Optimismus trugen ebenso zu ihrem Überleben bei. Natürlich ist es eine Holocaust-Geschichte, aber für mich ist es auch eine Geschichte über Menschlichkeit, über eine positive Lebenseinstellung, Versöhnungsbereitschaft, und alles, was ich von ihr lernte, ist auch heute noch bedeutsam – gerade auch für mich als Deutsche. Aber das ist nicht alles. Vielmehr sagt ihre Lebensgeschichte etwas darüber aus, was wir alle heute von Alice Herz-Sommer lernen können.“ 

25.11.2018 | 11.15 Uhr | Kleines Haus

Jonathan Plowright

Kleines Haus

Anfahrt

Werke von:

Johannes
 Brahms
Variationen über ein ungarische
s Lied

Johann Sebastian Bach
Französische Suite Nr. 5 G-Dur BWV 816

Johannes Brahms
Variationen über ein eigenes Thema op. 21 Nr. 1

Johann Sebastian Bach
Italienisches Konzert F-Dur BWV 971

Johannes Brahms
Variationen und Fuge über ein Thema von Händel op. 24

 

Jonathan Plowright

Er wurde 1959 in der nordenglischen Grafschaft Yorkshire geboren. Er absolvierte sein Klavierstudium an der „Royal Academy of Music“ in London, wo er mit einer Goldmedaille abschloss. Er war Fulbright-Stipendiat, als er den 1. Preis bei der „European Piano Competition“ gewann. Damit begann 1989 seine internationale Karriere als Konzertpianist, die ihn seither auf alle fünf Kontinente geführt hat. Seine über 20 eingespielten CDs, die nach ihrem ersten Erscheinen regelmäßig exzellente Kritiken und oft namhafte Preise erhielten, haben ihm in Deutschland, wo er eher selten konzertiert, unter den Klavierfans den Ruf eines „Geheimtipps“ eingetragen. Daneben entfaltet er eine aus­gedehnte Lehrtätigkeit als Leiter der Abteilung für Tasteninstrumente an der University of Chichester und als Professor an der „Royal Scottish Academy of Music and Drama“ in Glasgow. Er gibt regelmäßig Meister­kurse und ist gefragter Juror bei internationalen Klavierwettbewerben.
Es gibt drei wichtige Schwerpunkte seines Schaffens: Seine Beschäftigung mit Johannes Brahms und mit den Klaviertranskriptionen der Werke Bachs sowie die Wiederentdeckung der Klaviermusik der polnischen Romantik. Gegenwärtig spielt er das gesamte Solo-Klavierwerk von Brahms beim schwedischen Label BIS ein. Die Beschäftigung mit den Klaviertranskriptionen Bach‘scher Werke begann hingegen schon um 2003 bei dem britischen Label Hyperion, für das er inzwischen zwölf CDs eingespielt hat. Zwei davon entstanden im Rahmen einer zehnteiligen Serie mit Bach-Klaviertranskriptionen von Saint-Saëns über Reger bis Busoni. Zu dieser Serie trug Plowright eine Doppel-CD mit den Transkriptionen des englischen, in Berlin aufgewachsenen Pianis­ten Walter Rummel bei, die wie die Nachfolge-CD, „A Bach Book for Harriet Cohen“, in der Fachwelt für eine Sensation sorgte.
Jonathans Plowrights besonderes Interesse gilt der polnischen Klavier­musik, wobei er sich keineswegs nur auf Chopin beschränkt, sondern sich ebenso dessen Nachfahren wie Paderewski und Szymanowski widmet. Er hat zahlreiche überaus wichtige Klavierkonzerte, Kammer­musik- und Solo-Klavierwerke weniger bekannter polnischer Komponisten wie Sigismund Stojowski, Henryk Melcer, Władislaw Żeleński oder Aleksander Zarzycki der Vergessenheit entrissen und auf seinen CDs erstmals einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seine zum Chopin-Jahr 2010 erschienene Anthologie „Hommage à Chopin“ erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den „Preis der deutschen Schallplattenkritik“ und den „Diapason d‘Or“. Soeben wurde seine -mittlerweile 4. Brahmseinspielung- von dem Magazin Gramophone als CD des Monats April ausgezeichnet.
In Würdigung seiner Verdienste um die polnische Musik wurde Jonathan vom Philharmonischen Orchester Warschau eingeladen, als Solist gemeinsam mit dem Orchester bei den Feierlichkeiten zum 200. Geburtsjahr Chopins aufzutreten.

06.01.2019 | 11.15 Uhr | Großes Haus

Neujahrskonzert

BosArt Trio "Unerhörte Meisterwerke"

Großes Haus

Anfahrt

Klassisches Musikkabarett hat eine durchaus lange Tradition. Komponisten wie Siegfried Ochs oder Hermann Pillney schrieben schon im 19. Jahrhundert parodistische Variationen über Gassenhauer und schufen damit eine Form des eulenspiegelhaft-humorvollen Umgangs mit musikalischen Themen, indem sie diese gleichsam durch die gesamte Musikgeschichte deklinierten. Nicht zu vergessen ist auch der Deutsche Gerard Hoffnung, der mit seinen barbarisch-komischen Klassik-Tohuwabohu-Arrangements die Engländer begeisterte. Den gediegen-witzigen Pianoforte-Löwen Victor Borge muss man in diesem Zusammenhang unbedingt nennen, und in eine ähnliche Kerbe haut auch der Amerikaner Peter Schickele mit seinem erfundenen und sehr verlorenen Bach-Sohn P.D.Q. Bach, dessen Musik mitunter Schreikämpfe erzeugte.

Ziemlich genau in dieser Tradition bewegt sich auch das „BosArt Trio“, das die Verwechslung mit dem weltberühmten „Beaux Arts Trio“ durchaus billigend in Kauf nimmt. Die drei Herren lernten sich an der Freiburger Musikhochschule kennen, wo sie ihre „Achtundsechziger“ verbrachten und trotzdem wohl einiges gelernt haben, denn es ergaben sich bis zur verdienten Pensionierung doch recht respektable musikalische Lebensläufe:

Wolfgang Schäfer, emeritierter Professor für Chorleitung an der Musikhochschule Frankfurt/Main, immer noch künstlerischer Leiter der Staufener Musikwoche und darüber hinaus nicht nur kabarettistisch, sondern auch dirigentisch viel unterwegs.

Hans Hachmann war viele Jahren klassischer „Radiologe“, d. h., er arbeitete als leitender Musikredakteur beim SWR, seit 2007 ist er nun auch im Ruhestand musikwissenschaftlich tätig, u. a. mit Programmeinführungen beim Heidelberger Frühling und den Schwetzinger Festspielen.

Reinhard Buhrow
, Insidern auch bekannt unter seinem Künst­lernamen Renard Büro, war an der Musikhochschule Freiburg „Lehrer für besondere Aufgaben“ (quasi eine Art James Bond unter den Lehrern). Als Pensionär übt er, befreit von Schülern und Kollegen, immer noch an seinem Flügel.

Das „BosArt Trio“ hat innerhalb der deutschen Musikkabarettszene seinen von Kennern geschätzten festen Platz. Nicht die satirische Axt setzen die drei Herren ein, sondern das Florett. Jederzeit fein gesponnen sind ihre BosArtigkeiten, eine aparte Mischung von Info und Schabernack. „Unerhörte Meisterwerke“ Über 30 Jahre BosArt Trio haben bei Veranstaltern, Publikum und Protagonisten Spuren hinterlassen: Graue Haare sind gewachsen und tiefe Falten wurden in die Gesichter gelacht. Allerorten wächst der Wunsch, an den „Unerhörten Meisterwerken“ aus insgesamt zehn erfolgreichen Programmen noch einmal teilzuhaben. So entstand nun ein ultimatives musikkabarettistisches Potpourri: Berge von Material wurden durchgekämmt (sofern man Berge überhaupt kämmen kann), Stapel von Skizzen gesichtet, Haufen von Noten geschichtet und auch mal was Neues gedichtet.
„Unerhörte Meisterwerke“: Der längste Hit, der schnellste Song, der tollste Text, die schwächste Pointe! Mehr wird nicht verraten.

 

 

03.02.2019 | 11.15 Uhr | Kleines Haus

Arthur und Lucas Jussen

Kleines Haus

Anfahrt

 

Werke von:

W
olfgang Amadeus Mozart
Sonate für Zwei Klaviere KV 448

Franz Schubert
Fantasie in f-Moll D 940

Felix Mendelssohn Bartholdy
Andante & Allegro


Gabriel Frauré
Dolly Suite op. 5 (1892-94) für Klavier zu vier Händen
Nocturne Nr. 4 in Es-Dur op. 36

Francis Poulenc
Sonate für Klavier zu vier Händen FP 8 (1918, rev. 1939)


Maurice Ravel
Jeux d´eau (1910)
La Valse


Arthur und Lucas Jussen

„Es ist, als würde man zwei BMW gleichzeitig fahren“, meinte der Di­rigent Michael Schønwandt nach einem Dirigat mit den beiden niederländischen Brüdern Lucas und Arthur Jussen. Obwohl sie noch jung sind, haben die beiden vielversprechenden Pianisten bereits jede Menge Erfahrung im internationalen Konzertbetrieb gesammelt.

Sowohl als Duo als auch als Solisten werden Lucas und Arthur von Presse und Publikum gefeiert. In ihrem Geburtsort Hilversum erhielten sie von Leny Bettman ihren ersten Klavierunterricht. Im Jahr 2005 studierten die beiden Brüder auf Einladung der portugiesischen Meisterpianistin Maria João Pires fast ein Jahr lang in Portugal und Brasilien. Lucas ging zudem in die USA, um bei Menahem Pressler zu studieren. An der Musikhoch­schule Reina Sofía in Madrid studierte er dann bei Dmitri Bashkirov, während Arthur zu Hause die Schule beendete. In den darauffolgenden Jahren wurden sie sowohl von Pires als auch von zwei renommierten niederländischen Lehrern unterrichtet: Der Klavierpädagoge Jan Wijn nahm sie unter seine Fittiche, und bei Ton Hartsuiker vertieften sie sich in die Musik des 20. Jahrhunderts. 2011 erhielten Lucas und Arthur den ersten Concertgebouw Young Talent Award und 2013 den Publikumspreis der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern.
Lucas und Arthur sind mit nahezu allen niederländischen Orchestern aufgetreten, unter anderem mit dem Koninklijk Concertgebouworkest, dem Rotterdams Philharmonisch Orkest, dem Resedentie Orkest und der Radio Kamer Filharmonie. Außerdem spielten sie mit zahlreichen re­nommierten internationalen Orchestern. Zu den Dirigenten, mit denen sie arbeiteten, gehören Valery Gergiev, Sir Neville Marriner, Jukka-Pekka Saraste, Eliahu Inbal und Frans Brüggen. Sie musizierten mit zahlreichen bekannten Solisten, so auch mit dem chinesischen Starpianisten Lang Lang, mit dem Lucas 2006 beim Prinsengrachtconcert auf der Bühne stand. 2013 spielten die Brüder die Uraufführung von „Together“, einem Stück für zwei Klaviere, das Theo Loevendie für sie geschrieben hat. Neben ihren Auftritten mit Orchester werden die Brüder auch für ihre Klavierabende geschätzt. Sie sind sowohl im Rahmen der „Meesterpianisten“ als auch in der Robeco-Reihe des Concertgebouw aufgetre­ten. Zudem haben sie mehrere Konzerte auf Einladung der ehemaligen Königin Beatrix gegeben.
2014 begleiteten Lucas und Arthur König Willem-Alexander und Königin Maxima bei ihrem ersten Staatsbesuch in Polen. Sie sind europaweit in Konzertsälen und bei Festivals zu Gast, unter anderem im Herkulessaal (München), beim Rheingau Musik Festival, beim White Nights Festival in St. Petersburg und beim Festival de Piano de La Roque d’Anthéron. Internationale Tourneen führten sie über Europa hinaus nach Japan (2012), China (2013) und Südkorea (2014).
2010 unterschrieben Lucas und Arthur einen Plattenvertrag bei der Deutschen Grammophon. Ihre Debüt-CD mit Werken von Beethoven wurde mit Platin ausgezeichnet, und sie gewannen damit außerdem den Edison Klassiek Publikumspreis. Nach einer erfolgreichen Schubert-Aufnahme widmeten sie ihre dritte CD „Jeux“ der französischen Klaviermusik. Im Oktober 2015 erschien ihre vierte Einspielung mit den Klavierkonzerten KV 365 und KV 242 von Mozart. Begleitet werden sie in dieser Aufnahme von der Academy of St. Martin in the Fields unter Leitung von Sir Neville Marriner. Das Album erreichte Gold-Status und wurde vom britischen Gramophone Magazine in die Liste der 50 bedeutendsten Mozart-Aufnahmen aufgenommen.

 

 

28.04.2019 | 18 Uhr | Kleines Haus

Menahem Pressler

Kleines Haus

Anfahrt

Menahem Pressler 

Menahem Pressler, Gründungsmitglied und Pianist des Beaux Arts Trios, hat sich in der Welt als Musiker höchsten Ranges etabliert. Sein univer­selles musikalisches Wissen, seine musikalische Präzision, sein Tempe­rament sowie sein feinsinniges Spiel machten ihn sowohl als Solist als auch als Kammermusiker zu einem weltweit angesehenen Künstler und gefragten Lehrer.
1923 in Magdeburg geboren, floh Menahem Pressler mit seiner Familie 1939 vor den Nazis nach Palästina. In Israel erhielt er den Hauptteil sei­ner musikalischen Ausbildung. Der Gewinn des Internationalen Debussy Klavierwettbewerbs 1946 in San Francisco war für den damals 17-Jähri­gen der Beginn einer grandiosen internationalen Karriere, die sich mitt­lerweile über eine Zeitspanne von mehr als einem halben Jahrhundert erstreckt, denn dem Debut mit dem Philadelphia Orchestra unter der Leitung von Maestro Eugene Ormandy folgten umgehend weitere Solo-Auftritte und Einladungen zu den größten Orchestern Amerikas, Euro­pas und des Fernen Ostens.
Mehr aus einer Laune heraus sowie dem Wunsch folgend, einmal die Mozart-Trios zu spielen, gründete Pressler 1955 das Beaux Arts Trio. Was zunächst als zeitlich begrenzte musikalische Verbindung für sechs Kon­zerte und eine CD-Einspielung gedacht war, entwickelte sich zu einer Jahrzehnte währenden einzigartigen Kammermusikformation. Für fast 55 Jahre blieb Pressler, bei mehrfach wechselnder Besetzung, die Spitze des Trios und dessen einziger Pianist. Die New York Times beschreibt das Beaux Arts Trio als „Klasse für sich“, und die Washington Post sagt: „Das Beaux Arts Trio ist weltweit zum Goldstandard geworden“. 2008 verneigte sich das berühmte und verehrte Kammermusikensemble mit einem großartigen Abschiedskonzert zum letzten Mal vor dem Publi­kum und gab das Ende einer beispiellosen Karriere bekannt.
Für Menahem Pressler war dies der Zeitpunkt, sich verstärkt anderen Kammermusikprojekten zuzuwenden und auch als Solist noch einmal durchzustarten. 91-jährig gab er 2014 sein Debüt bei den Berliner Philharmonikern und wurde sofort für die Silvesterkonzerte der Folgesai­son wieder eingeladen, die er mit einem Riesenerfolg unter der Leitung von Simon Rattle gab. Des Weiteren konzertiert er seither wieder mit den bedeutendsten Orchestern weltweit.
Bejubelt als Musiker, wird Menahem Pressler auch als „Meister-Pädagoge“ gepriesen, gibt weltweit Meisterklassen und ist Jury-Mitglied vieler internationaler Klavierwettbe­werbe. Seit über 60 Jahren unterrichtet er zudem an der Klavier-Fakultät der weltberühmten Indiana University Jacobs School of Music, wo er den Titel eines „Distinguished Professor of Music as Charles Webb Chair“ inne hat.
Zahlreiche Komponisten haben ihm Werke gewidmet, darunter György Kurták, der drei Solostücke für Klavier für Menahem Pressler schrieb.
Unter den zahlreichen Auszeichnungen und Preisen, die Menahem Pressler erhielt, sind auch Ehrendoktorwürden, u.a. von der Manhattan School of Music, dem San Francisco Conservatory of Music und der „Honorary RAM“ der Royal Academy of Music London. Sein Lebenswerk wurde vom Gramophone Magazine der International Chamber Music Association ausgezeichnet, er erhielt den „Chamber Music America‘s Distinguished Service Award“ und die „Gold Medal of Merit“ von der National Society of Arts and Letters. 2005 erhielt Pressler das Deutschen Bundesverdienstkreuz und Frankreichs höchste kulturelle Auszeichnung, den „Ordre des Arts et Letters“. Für seinen Einfluss und außerordent­lichen Beitrag auf dem Gebiet der Musik in Israel sowie in der ganzen Welt wurde ihm von der Akademie Jerusalem im Juni 2007 der Titel „Honorary Fellow of the Jerusalem Academy of Music and Dance“ verliehen. 2009 wurde Menahem Pressler zum Ehrenbürger seiner Geburtsstadt Magdeburg ernannt. Zu seinen neuesten Ehrungen und Auszeichnungen gehören die renommierte Wigmore Medal (2011), der Menuhin Preis der Königin von Spanien (2012), die Aufnahme in die „American Classical Music“ und die „Gramophone Magazine Halls of Fame“ (2012) sowie der „Music Teachers National Association Achie­vement Award“.
Menahem Presslers Diskografie umfasst u.a. ein Set aus 60 CDs mit den kompletten Philips Aufnahmen des Beaux Arts Trio, das 2015 von Decca herausgegeben wurde und zahlreiche Solo-Einspielungen, von Bach bis hin zu Ben Haim. Für das Lebel La Dolce Volta hat Pressler begonnen, die kompletten Mozart-Sonaten aufzunehmen. Zusätzlich beinhalten seine DVDs ein Live-Rezital, Konzerte mit Paavo Järvi und dem Orchest­re de Paris, das Neujahrskonzert mit Sir Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern, sein eigenes Geburtstagskonzert zum 90. live aus dem Salle Pleyel in Paris mit den Ebène Quartet und Christoph Pregardien. Sechs Grammy- Nominierungen sowie der ECHO Klassik und 2016 und der „Victoire d’honneur“ sind nur einige Belege der Anerkennung für seine Einspielungen. Die Dokumentation „Pianist Menahem Pressler: „The Life I Love“ gewann 2015 den großen Preis beim Prague Internati­onal Television-Festival. Er wurde Gegenstand einiger Bücher, die zu Eh­ren seines Lebens und seines Vermächtnisses geschrieben wurden, wie „Menahem Pressler: The Artistry of Teaching“ und „Always So­mething New to Discover: Menahem Pressler and the Beaux Arts Trio“. 2016 kam bei der Koerber-Stiftung in Deutschland ein Buch, „Dieses Verlangen nach Schönheit – Menahem Pressler im Gespräch mit Holger Noltze“ heraus.