Bartleby

nach Herman Melville
Bühnenfassung von Johanna Lücke


„Die Regie lässt die drei hervorragenden, spielfreudigen Darsteller ins Publikum sprechen, fragen, klagen, gucken. (...) Ihr gelingt es in der Intimität des Spielraums, uns über Freiheit und Autarkie grübeln zu lassen. Am Ende wirkt die Inszenierung so, als dürfe es gar keine andere geben. Eine verblüffende Sache. Und ein gutes Zeichen. Mächtiger Beifall.”
(Nordwest Zeitung)

Am Beispiel des bockigen Mitarbeiters Bartleby entfächert Regisseurin Lücke alle Spielarten der Eitelkeiten in unserem neuzeitlichen Arbeitsethos.(...) Thomas Lichtenstein und Thomas Birklein legen mit traumwandlerischer Pointensicherheit jedes Detail der Verstörung frei, während Johannes Lange hinter der vordergründigen Souveränität seines schneidigen Anwalts wunderbar scharfsichtig dessen verborgene Ängste aufspürt. Das Phantom Bartleby wird so zum Motor einer großen Demaskierungskomödie” (Kreiszeitung)


Es ist ein höchst sonderbarer Mensch, dieser Bartleby, der mit seinem Eintritt in die Kanzlei eines erfolgreichen Advokaten in der Wall Street das Leben und Denken seines Chefs auf erstaunliche Weise bestimmt. Angestellt als Kopist kommt Bartleby seiner Arbeit zunächst nach, beginnt dann jedoch damit, Aufträge abzulehnen. Gründe gibt er nicht an – nur, dass er es vorzieht, es nicht zu tun. Von Verwunderung und Mitleid bis zum Zorn wandeln sich die Emotionen des Advokaten bis schließlich zur totalen Verzweiflung, als Bartleby auch nächtens und an den Wochenenden die Räumlichkeiten der Kanzlei lieber nicht mehr verlassen möchte.
„Ich möchte lieber nicht“ lautet Bartlebys Formel der Verweigerung, die sich in unserer leistungsverdichteten Welt, unserer „Gesellschaft unter ADHS“ kaum noch jemand zu sagen traut. Von Selbstbestimmung bis Burn-Out, von Entschleunigung bis zum hochtourigen Workaholism reicht die Bandbreite unserer Arbeits- und Lebenserfahrungen. Melvilles ‚Bartleby‘ markiert eine radikale, heute geradezu provozierend oppositionelle Position, deren Konsequenz erst einmal imponiert. Aber totale Existenzverneinung? Melvilles große Erzählung skizziert die Möglichkeit von Autarkie, den Unterschied zwischen Autonomie und Arroganz, die Grenzen der Bescheidenheit und die Freiheit des Größenwahns.

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Besetzung

Regie, Bühneneinrichtung und Kostüme: Johanna Lücke
Es wird gespielt in Thilo Zürns Bühnenbild von "Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt"
Regieassistenz, Dramaturgie und Soufflage: Franziska Bald
Nippers: Thomas Birklein
Anwalt: Johannes Lange

Termine

Premiere — 21.06.2015

Wiederaufnahme — Januar 2016

Dauer

70 Minuten

Spielstätte

SpielraumAnfahrt