1984

nach dem Roman von George Orwell

Bühnenfassung von Luise Voigt

„Luise Voigts totalitärer Staat ist ein zeitloses Ungeheuer: wie in seinem eigenen Programm entkoppelt von der Vergangenheit, die Geschichte ausradiert. Statt aufs Neue nach seiner Aktualität zu fragen, entwickelt das Stück einen klaustrophobischen Zustand gleichgeschalteter Menschen. Und das fesselt über drei Stunden in einer Intensität, die der von inzwischen drei Generationen durchgekaute Stoff kaum noch erwarten ließ. Nein, wirklich: So fremd war sich der Mensch selten." (nachtkritik.de)

Voigt, ihr Team und das gesamte, prächtig aufgelegte Ensemble bringen das Kunststück fertig, einen an theatralischen Potenzialen reichen Stoff ohne platte Gewaltexzesse zu bewältigen. [...] Zu Recht vertraut diese überzeugende Inszenierung dem Intellekt und dem Einfühlungsvermögen der Zuschauer." (Nordwest Zeitung)

[Alle möglichen] Reduktionsfallen meidet [...] die begabte Regisseurin und Medienkünstlerin Luise Voigt [...]. Ihre zugleich ökonomische und bühnentaugliche Stückfassung, die jedes Wort wägt, lässt denkbare Deutungsebenen absichtsvolll offen, statt sich und das Publikum ohne Not festzulegen." (Weser-Kurier)

Victory-Gin gibt es in Ozeanien billig und im Überfluss. Er hilft Winston Smith vom Ministerium für Wahrheit gegen die 60-Stunden-Arbeitswoche. Und die Totalüberwachung. Und auch gegen die Tatsache, dass jede über partei-konforme Phrasen hinausgehende Ausdrucksmöglichkeit aus dem amtlichen „Neusprech“ eliminiert ist. Victory-Gin macht angenehm gleichgültig. Und wenn man dann noch gutdenkvoll ist, wie die Partei die Genossen mit der richtigen Einstellung nennt, kann einem eigentlich nichts passieren. Ein schlimmer Fehler hingegen ist das „Denkverbrechen“. Dieses kann die Gedankenpolizei durch die überall installierten „Televisoren“ einem vom Gesicht ablesen. Jede unkontrollierte Mimik, jede unbewusste Geste, jeder verstohlene Blick und jeder verrutschte Tonfall könnte verräterisch sein. Sogar noch gravierender ist das „Sexverbrechen“. Nichts fürchtet die Partei mehr als die utopische und subversive Kraft der Verbindung zweier Menschen. Dieses Vergehens macht sich Winston mit der Genossin Julia schuldig. Ihre Liebe blüht im Verborgenen und gehört ganz ihnen. Denn ihr Innerstes bekommt die Partei nicht zu fassen, sind sie sich sicher. Sie werden diese Liebe nie verraten. Aber würden ihre Schwüre der Behandlung in Zimmer 101 standhalten, dem schrecklichsten Ort der Welt? Zum Glück muss man sich über diese ganzen Dinge gar nicht ständig Gedanken machen, denn dafür gibt es ihn ja, den Victory-Gin. Aber Winston kann sein denken nicht abschalten, meist kreist es um eine sagenumwobene Legende: Die geheime, revolutionäre „Bruderschaft“.
Der Spiegel nannte Orwells dystopischen Roman „ein Jahrhundertbuch“, aus dem mittlerweile Ernst geworden sei. Die Medienkünstlerin Luise Voigt, die sich schon mit „Krieg der Welten“, „Der Golem“ und „Dokusoap“ mit Erscheinungsformen unserer „schönen neuen Welt“ auseinandersetzte, die zunehmend unser aller Leben verändern, setzt dieses Richtungsweisende Werk in eigener Fassung in Szene.

Video

Bilder

© Stephan Walzl
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Besetzung

Regie: Luise Voigt
Bühne: Stefan Bischoff
Kostüme: Nina Kroschinske
Musik: Friederike Bernhardt
Biomechanik nach Meyerhold: Tony De Maeyer
Dramaturgie: Marc-Oliver Krampe

Termine

Premiere — 02.09.2018

 

29.11. 20.00 Uhr
Derzeit ausverkauft
09.12. 20.00 Uhr
Derzeit ausverkauft
19.12. 20.00 Uhr
26.01. 20.00 Uhr
16.02. 20.00 Uhr
Derzeit ausverkauft
03.03. 18.30 Uhr
17.03. 18.30 Uhr
20.03. 20.00 Uhr
29.03. 20.00 Uhr
10.04. 20.00 Uhr
06.05. 20.00 Uhr
26.06. 20.00 Uhr

Dauer

165 Minuten

Spielstätte

Kleines HausAnfahrt

Kurzeinführung