Unterwerfung

nach dem Roman von Michel Houellebecq
Bühnenfassung von Peter Hailer, Jens Ochlast und Daphne Ebner


„Ochlast nimmt uns energisch an die Hand, bringt uns das Thema als guter Erzähler näher, schlüpft bei Dialogen mit verschiedene Stimmen in die Personen und zieht alle Register, die man, um ein Publikum über zweidreiviertel Stunden zu fesseln, ziehen muss. Der Roman (…) wird durch Ochlast vergoldet. Der Abend ist spannend, aber anstrengend, er ist intellektuell, aber immer verständlich, er ist lang, aber lohnenswert. Und wichtig sowieso.” (Nordwest Zeitung)


Am 7. Januar 2015 erscheint der Roman ,Unterwerfung‘. Der polarisierende französische Autor Michel Houellebecq vollzieht darin das Gedankenspiel, dass im Frankreich der nahen Zukunft durch einen Präsidentschaftswechsel -quasi über Nacht und auf friedlichem, demokratischem Wege- die laizistische Verfassung, die demokratische Grundordnung und die Menschenrechte abgelöst werden durch Theokratie, SchariaGesetzgebung, Patriarchat und Polygamie. Hauptfigur in diesem Zukunftsszenario, das im Paris des Jahres 2022 spielt, ist der Literaturwissenschaftler Francois. Mäßig erfolgreich und vorzeitig gealtert kämpft Francois gegen Alkoholismus, schwindende Erfolgsaussichten bei Frauen und die allgemeine Lethargie des Daseins an. Da gewinnt überraschend Mohammed Ben Abbes, moderater und charismatischer Kandidat der gemäßigten islamischen Partei „Bruderschaft der Muslime“, die Präsidentschaftswahlen. Schleichend und von den Medien völlig unkommentiert vollzieht sich ein gesellschaftlicher Transformationsprozess. Während die Bevölkerung die neuen Gebote und Verbote genauso hinnimmt wie bislang schon die Senkung von Sozialleistungen oder die Privatisierung öffentlicher Dienste, steht Francois dem Ganzen zunächst skeptisch gegenüber. Bis er sich dem Genuss der mannigfaltigen Privilegien hingibt, die das neue System für ihn bereit hält.

„Unterwerfung“ richtet sich nicht gegen den Islam, sondern zwingt uns dazu, unsere westlichen Werte zu hinterfragen. Houellebecqs streitbarer Text erzählt, wie die „Bruderschaft der Muslime“ dem Turbokapitalismus den Kampf ansagt und für ein sinnsuchendes europäisches Land auf einmal zu einer realen Alternative wird. Eindrücklich wird uns vor Augen geführt, wie dünn die zivilisatorische Decke ist, die unser friedliches Zusammenleben garantiert und wie angreifbar die demokratischen Werte und Grundrechte in dem Moment werden, in dem das Vertrauen in ebendiese Errungenschaften zu bröckeln beginnt.

 

- Aus inszenatorischen Gründen können wir nach Vorstellungsbeginn dieses Stückes keinen Nacheinlass gewähren. Wir bitten um Verständnis! -

Theatertalk am Di 07.02. um 20 Uhr im Kleinen Haus

Ahmad Mansour spricht zu ,Unterwerfung‘:  Wie denkbar ist islamistische Radikalisierung? – am Di 07. Februar im Kleinen Haus

Mit großem Erfolg läuft am Oldenburgischen Staatstheater seit September das Ein-Personen-Schauspiel ,Unterwerfung‘ nach dem Roman von Michel Houellebecq. Es geht darin um den schleichenden Wandel Frankreichs zu einer islamistisch-theokratischen Gesellschaft im Jahr 2022, nachdem der Kandidat der muslimischen Bruderschaft überraschend die Präsidentschaftswahl gewonnen hat. ,Unterwerfung‘ ist ein Gedankenspiel – aber könnte die Fiktion mindestens zum Teil auch Wirklichkeit werden, vielleicht sogar in Deutschland? Wie groß ist die Gefahr einer islamistischen Radikalisierung bei uns vor dem Hintergrund von Terroranschlägen, Demokratie-Müdigkeit und unsicherer weltpolitischer Lage? Über diese Fragen diskutiert der israelisch-arabische Psychologe und Autor Ahmad Mansour am Dienstag, den 7. Februar ab 20 Uhr im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters. Gesprächspartner sind Prof. Dr. Sabine Doering und Holger Ahäuser vom Freundeskreis des Oldenburgischen Staatstheaters, der Mansour eingeladen hat.

Ahmad Mansour wurde 1976 als Sohn arabischer Israelis im Dorf Tira geboren. Während der Schulzeit kam er mit dem islamischen Fundamentalismus in Kontakt und konnte sich nur knapp aus dem Prozess der eigenen Radikalisierung befreien. Seit 2004 lebt und arbeitet Mansour in Deutschland. Er gilt als Islamismus-Experte und beschäftigt sich mit zahlreichen Projekten gegen Radikalisierung, Unterdrückung im Namen der Ehre und Antisemitismus in der muslimischen Gemeinschaft.

2015 veröffentlichte Mansour den Bestseller „Generation Allah“. Er ist Träger zahlreicher Auszeichnungen; unter anderem erhielt er im vergangenen Jahr den Carl-von-Ossietzky-Preis der Stadt Oldenburg für Zeitgeschichte und Politik.

Der Eintrittspreis für die Podiumsdiskussion beträgt für alle Plätze 5 Euro. Für Freundeskreis-Mitglieder ist der Eintritt frei.

Video

Bilder

 

Besetzung

Regie: Peter Hailer
Kostüm: Britta Leonhardt
Licht: Ernst Engel
Dramaturgie: Daphne Ebner

Termine

Premiere — 30.09.2016

07.04. 20.00 Uhr
letzte Vorstellung:
28.04. 20.00 Uhr

Spielstätte

Kleines HausAnfahrt

Kurzeinführung