TRÄUM WEITER

von Nesrin Samdereli

Die Komödie „Träum weiter“ von Nesrin Samdereli handelt von der jungen Frau Nil, die im Krankenhaus im Koma liegt. Ihre Eltern Fidan, Türkin im Jugendwahn, und Yannis, patriotischer Grieche, treffen in dieser Krisensituation das erste Mal nach ihrer Scheidung wieder aufeinander. Die Sorge um ihre gemeinsame Tochter schürt Konfliktsituationen, die nicht nur ihre unterschiedlichen kulturellen Gewohnheiten betreffen, sondern vor allem ihre gescheiterte Ehe. Dazu kommt, dass Tochter Nil seit einiger Zeit in einer Beziehung mit einer Frau lebt, diese Tatsache jedoch vor ihren Eltern geheim gehalten hat. Selbstverständlich besucht auch Nora, Nils Freundin, sie im Krankenhaus und wird prompt vom behandelnden Chefarzt geoutet. Der Chefarzt, ein extrovertierter Mann in Frauenkleidung, tritt bei den Konflikten zwischen Nils Eltern und Nora immer wieder in die schlichtende Position, verteilt aber auch gerne mal eine Reihe Ohrfeigen. Während all dieser komischen, zum Teil fast grotesk anmutenden Situationen im Krankenzimmer befindet sich Nil in einer verlassenen Bahnhofshalle, einem Ort, an dem sie als Kind immer gern gewesen ist. Leider bleibt der gewöhnliche Bahnhofsbetrieb aus, dafür begegnet Nil beim Warten Menschen, die in ihrem bisherigen Leben von großer Bedeutung waren. Diese machen Nil langsam bewusst, an welchem Ort sie sich gerade wirklich befindet.

„Träum weiter“ wäre eigentlich eine tragische Geschichte um Leben und Tod und den Zustand dazwischen, den eigentlich niemand so richtig benennen kann. Doch mit viel Humor und schlagfertigen Dialogen verleiht Nesrin Samdereli der Handlung eine wohldosierte Leichtigkeit bei gleichzeitig großem Tiefsinn.

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