Schläpfer/Jully (UA)

Concertante (UA)/Ramifications/Quartz/Begegnen ohne sich zu sehen (UA)

Martin Schläpfer/Antoine Jully

 

„Mit berückender Ausdruckskraft und staunenswerter technischer Vielseitigkeit und Konzentration setzt [die BallettCompagnie Oldenburg] Jullys anspruchsvoll eigenwillige Neoklassik um.“ (theaterpur.net)

„Auffällig ist Omezzollis große Ausdruckskraft ohne aufgesetzte Pose. Damit vermittelt sie die Komposition auf eine Weise, welche die Zuschauer in eine höchst widersprüchliche wie reiche Innenwelt führt.“ (tanznetz.de)

„Als Duo zeigen [Marié Shimada und Herick Moreira] wunderschöne Figuren zweier einsamer (Großstadt-)Wesen, die um Verbundenheit ringen, wobei sie oft an fremde Traumwesen erinnern. Wie das Auf und Ab, das Nah und Fern, das Spiel, der Kampf, die Verzweiflung im langen Zusammenleben eines Paares wirkt dieser wunderbar melancholische Beziehungstanz.“ (tanznetz.de)

„Mit einer Momentaufnahme menschlichen Treibens in der Stadt, Menschen, die sich sekundenlang „begegnen, ohne sich zu sehen“. Zu den Sinfonien 1 und 2 von Carl Philipp Emanuel Bach stürmen die Tänzer über die Bühne, flüchtig und wie im Rausch, treffen aufeinander, nur um wieder auseinanderzudriften. Ein grandioses Kollektiv, das am Ende komplett zu Boden stürzt.“ (NWZ)

„Begeisterter Applaus für alle Beteiligten war der verdiente Lohn für knapp zwei Stunden moderner, abstrakter Tanzkunst der Spitzenklasse. (...) Tanz mit Gänsehautgarantie.” (Oldenburger Onlinezeitung)

 

Der Schweizer Choreograf und Ballettdirektor Martin Schläpfer ist hochgeehrt und mehrfach ausgezeichnet. Die Fachzeitschrift tanz kürte ihn 2010 zum „Choreografen des Jahres", seine Compagnie, das Ballett am Rhein Düsseldorf/Duisburg, gleich dreimal hintereinander in den Jahren 2013, 2014 und 2015 zur „Besten Kompanie". Bevor Martin Schläpfer 2009/ 10 die Düsseldorfer Compagnie übernahm, leitete er 10 Jahre lang das von ihm neuformierte -ballettmainz- und führte es in die erste Reihe der deutschen Ballettcompagnien. Gemeinsam mit seinem ehemaligen Tänzer, dem Chefchoreografen Antoine Jully, wird er exklusiv am Oldenburgischen Staatstheater einen Abend mit vier Balletten gestalten.

Der Franzose Antoine Jully tanzte an der Pariser Oper, dem Royal Ballet London und beim Ballet d’ Europe in Marseille, bevor er sich 2005 dem -ballettmainz- und Martin Schläpfer anschloss. Ihm folgte er von 2009 bis 2014 an das Ballett am Rhein. Choreografiert hat Antoine Jully bereits am Ballet d’Europe und auch äußerst erfolgreich in Düsseldorf. 14/ 15 wurde er zum Oldenburger Chefchoreografen berufen.

Der Abend mit vier Balletten zeigt, was Martin Schläpfer und Antoine Jully neben ihrer biografisch-beruflichen Begegnung verbindet: das Interesse an der puren Bewegung, an Innovation und der Versuch, mit dem „Körper zu musizieren". Beide entwickeln ihre Arbeiten in den Proben mit und an den Tänzerinnen und Tänzern. Weitere gemeinsame Oldenburger Abende, auch Kreationen Martin Schläpfers mit der BallettCompagnie Oldenburg, sind für die kommenden Spielzeiten angedacht.

,Concertante‘ ist eine Kreation Jullys zur gleichnamigen Musik des bedeutenden ungarischen Komponisten György Kurtág (geb. 1926). György Kurtág gilt heute neben György Ligeti (1923 — 2006) als der bedeutendste ungarische Komponist nach 1945. Die Musik Kurtágs ist geprägt von einer Verdichtung musikalischer Texturen, seine Sprache ist spielerisch und assoziativ.

So wie eine Komposition mehr ist als zufälliges Geklimper, so ist eine geführte Konversation auch mehr als ein Smalltalk oder ein Geplapper. Beide folgen einer geheimen Dramaturgie und reagieren, nicht nur absichtsvoll, auf das Gegenüber. In ,Concertante‘ zeigt Antoine Jully, dass Tanz ein abstraktes Gespräch zwischen Körpern, Musik und Publikum sein kann.

Das Solo ,Ramifications‘ (Verästelungen), aus dem Jahre 2005, kreierte Martin Schläpfer für die Tänzerin Marlúcia do Amaral. Schläpfer erforscht zu György Ligetis gleichnamiger Komposition Bewegung und Raum zwischen gegensätzlichen Polen: klar und vage, stehend und bewegend, flach und tief, beschränkt und weit, hart und weich, dicht und durchlässig. Bekanntes erscheint als Fremdes, Entfremdetes — und umgekehrt. Tänzerin und Musik suchen einander und brechen gegeneinander aus.

Schläpfers Pas de deux ,Quartz‘ aus dem Jahre 2008 ist eine Rarität. Eine Tänzerin – in Gedanken versunken? Gebrochen? Verträumt schlendernd? In jedem Fall scheint sie völlig nach innen gewandt und sich selbst genügend. Tanzend entwirft sie ihre Welt, nimmt zunächst ihren Körper bewusst wahr, tastet ihre Gelenke ab. Mitten in diese Versunkenheit tritt ein Mann, und von Beginn an ist klar, dass sein Versuch, in diesen Kosmos einzudringen, scheitern wird. „Die dunkle Großstadt-Etüde der Vereinsamung endet mit einer Art Verpuppung, Mechanisierung der beiden Einzelgänger", schreibt Angela Reinhardt über das Ende der Choreografie zu Marianne Faithfulls namensgebendem Song ,City of Quartz‘.

Ein ähnliches Thema, das Zusammenleben von Menschen in der Urbanität, hat auch Antoine Jully für seine Kreation ,Begegnen ohne sich zu sehen‘ zu Carl Philipp Emanuel Bachs 1. und 2. Sinfonie gewählt.

 

 

 

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Bilder

 
 

Besetzung

CONCERTANTE (UA):
Choreografie, Bühne und Kostüm: Antoine Jully
Musik: Concertante, op. 42 von György Kurtág
Licht: Sofie Thyssen
RAMIFICATIONS:
Choreografie und Licht: Martin Schläpfer
Musik: ,Ramifications‘ von György Ligeti
Einstudierung: Marlúcia do Amaral
Kostüm: Thomas Ziegler
QUARTZ:
Choreografie und Licht: Martin Schläpfer
Musik: ,Ghostyhead‘ von Rickie Lee Jones, ,Ku Verove verën-o‘ (traditionelle albansiche Volksmusik) sowie ,City of Quartz‘ von Marianne Faithfull
Einstudierung: Callum Hastie
Kostüm: Thomas Ziegler
Mit:
BEGEGNEN OHNE SICH ZU SEHEN (UA):
Choreografie und Bühne: Antoine Jully
Musik: 1. und 2. Sinfonie von Carl Philipp Emanuel Bach
Kostüm: Kevin Gamez
Licht: Sofie Thyssen

Termine

Premiere — 03.12.2016

Spielstätte

Kleines HausAnfahrt

Kurzeinführung