Schläpfer/Jully/Blaska

VIOLAKONZERT/TAM TAM ET PERCUSSION (DE)/
DER TOD UND DAS MÄDCHEN (UA)

Martin Schläpfer/Félix Blaska/Antoine Jully

Die Tanzsparte wirkt nun ebenfalls über die Stadt hinaus. Mit einem nur dreizehnköpfigen Ensemble stemmt sie zwei bis drei neue Ballettabende pro Saison und tritt zudem noch in spartenübergreifenden Produktionen auf. Das Publikum honoriert den Wandel, die Zuschauerzahlen im Tanz haben zugelegt.
[...] Transparent wie ein Kammerballett wirkt das Stück [,Violakonzert'] durch die Anpassung der Choreographie auf die kleine Bühne und das reduzierte Ensemble, das dieses sehr schwierige Werk erstaunlich gut umsetzt.
[...] 
tänzerisch steht Jully für ein zeitgemäßes Ballett, das für viele Einflüsse offen ist und den ganzen Bewegungsreichtum zu nutzen weiß.
(Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Die Bewegungen des Ensembles sind sehr fließend, in unterschiedlichen Tempi und nie langweilig. In Jullys Choreografie wird der Tanz lebendig und zeigt überraschende, kleine Bewegungen […] Und diese Feinheit überträgt sich auch wunderbar in die inhaltliche Vielschichtigkeit dieser Arbeit, die auf vordergründig leichte Weise beschreibt, wie sehr doch Leben und Tod zusammengehören - wie Tag und Nacht, und Hell und Dunkel oder Mann und Frau. Und so greift Jullys Arbeit zum Ende des zwei Stunden und fünfundzwanzig Minuten dauernden Tanzabends noch einmal die anfängliche Thematik in Schläpfers „Violakonzert“ auf ganz eigen Art und Weise auf: Geburt, Leben und Tod als der Urgrund des Seins im großen Kreislauf des Lebens.“ (tanznetz.de)

Für die zweite Premiere der BallettCompagnie Oldenburg in dieser Spielzeit wird die Zusammenarbeit mit einem der bedeutendsten Tanzschaffenden in Deutschland und Europa fortgesetzt. Der Chefchoreograf und Künstlerische Leiter des Balletts am Rhein Düsseldorf Duisburg Martin Schläpfer kommt erneut nach Oldenburg und erarbeitet mit dem gesamten Ensemble seine Choreografie ‚Violakonzert‘ zu Alfred Schnittkes ‚Konzert für Viola und Orchester‘. Für die BallettCompagnie Oldenburg wird er zudem den dritten Satz der Uraufführung von 2002/04 neu choreografieren. ‚Violakonzert’, eine Choreografie, die Martin Schläpfer im Andenken an seine Mutter schuf, schöpft seine Energie aus der Komposition Schnittkes, die wie durch ein Kaleidoskop auf die Musikgeschichte blickt. Dem streng formalen und puren Tanz verpflichteten Beginn folgen immer intensiver werdende emotionale Situationen der feinen Zwischentöne. Von der Entwicklung kindhafter Beziehungen eines Paares spannt sich ein Bogen bis hin zur partnerschaftlichen Reife. Schlichte Bewegungsmuster steigern sich zu hochkomplexen, expressiven Ausdrucksformen. Mal weich, mal aggressiv, mal leidenschaftlich, mal romantisch, mal voll spielerischem Witz, dann wieder von kindlicher Naivität und Selbstvergessenheit – stets jedoch mit dem Bewusstsein einer latenten Bedrohung und mit der Intensität des Wissens, dass Nähe und Zuneigung, Leidenschaft und Liebe oft nur ein vorübergehendes Glück bedeuten.

Das Mittelstück des Abends bildet die Choreografie ‚Tam Tam et Percussion‘ des französischen Choreografen Félix Blaska (geboren 1941). Mit der Erarbeitung dieser Choreografie von 1970, die unter anderem vom Ballet de Bordeaux und vom Tokyo Ballet getanzt wurde, führt die BallettCompagnie Oldenburg auch in dieser Spielzeit ihren Auftrag fort, bedeutende Werke der Tanzgeschichte in ihr Repertoire aufzunehmen. So stellt sich die deutsche Erstaufführung von Félix Blaskas ‚Tam Tam et Percussion‘ in die Reihe von Arbeiten der Choreografen Lar Lubovitch, Bill T. Jones und Alwin Nikolais. Während einer Tournee in Südafrika in den 1960er Jahren entdeckte Blaska seine Begeisterung für afrikanische Musik. Diese hat zu der Idee geführt, ein Ballett für Trommeln zu kreieren – so entstand ‚Tam Tam et Percussion‘ als Uraufführung für das Théâtre de la Ville à Paris. Westliche Percussions und afrikanische Trommeln bilden die musikalische Grundlage für eine Choreografie, die wie eine sich schnell bewegende Animation wirkt. Die Musik, die von den Perkussionisten Vincent Bauer und Adriano Tenorio live auf der Bühne gespielt wird, ist Teil der Inszenierung und führt Vorstellung um Vorstellung einen schwindelerregenden Dialog mit dem akademischen Ballett.

Zum Abschluss dieses Ballettabends, der Meisterchoreografen und Tanzgeschichte verbindet, kreiert der Oldenburger Chefchoreograf Antoine Jully ‚Der Tod und das Mädchen‘. In seiner choreografischen Uraufführung zum 1824 entstandenen d-Moll-Streichquartett von Franz Schubert widmet sich Antoine Jully dem schaurig-schönen alten Bildmotiv der Beziehung zwischen einer jungen Frau und ihrem als personifizierter Tod auftretenden Liebhaber. Bereits 1817 komponierte Franz Schubert ein Lied mit dem Text zu Matthias Claudius’ Gedicht ‚Der Tod und das Mädchen‘ von 1775. Diese Komposition griff Schubert erneut auf, als er das Streichquartett schrieb, weshalb es den gleichnamigen Untertitel trägt. Auch Antoine Jully findet für seine Choreografie Inspiration in Claudius’ Gedicht. Der Text wird zur Grundlage der Bewegungen: Der Dialog des Mädchens mit dem Tod, der ihm unbarmherzig gegenübertritt, steht im Zentrum der Kreation.

Video

Bilder

© Martina Pipprich

Besetzung

Violakonzert:
Choreografie: Martin Schläpfer
Musik: Konzert für Viola und Orchester, Alfred Schnittke
Einstudierung: Yuko Kato
Bühne/Kostüme: Thomas Ziegler
Licht: Martin Schläpfer/ Sofie Thyssen
Ballettmeisterin: Carolina Francisco Sorg
Gasttänzerin: Miki Masaoka
Tam Tam et Percussion (DE):
Choreografie/Bühne/Kostüme: Félix Blaska
Musik: Pierre Cheriza Fenelus, Jean-Pierre Drouet
Einstudierung: Muriel Boulay
Live Perkussion: Vincent Bauer, Adriano Tenorio
Licht: Sofie Thyssen
Gasttänzerinnen: Miki Masaoka/ Teele Ude
Der Tod und das Mädchen (UA):
Choreografie/Bühne: Antoine Jully
Musik: Streichquartett Nr. 14, ‚Der Tod und das Mädchen‘, Franz Schubert
Kostüme: Thomas Ziegler
Licht: Sofie Thyssen
Ballettmeisterin : Carolina Francisco Sorg
Dramaturgie: Telse Hahmann
Gasttänzerin: Miki Masaoka
Ventapane Quartett, Oldenburgisches Staatsorchester

Termine

Premiere — 27.01.2018

letzte Vorstellung:
04.05. 19.30 Uhr

Spielstätte

Grosses HausAnfahrt