Xerxes

Georg Friedrich Händel (1685 — 1759)

Oper in drei Akten
Libretto nach Nicolò Minato und Silvio Stampiglia
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Oldenburger Erstaufführung


„Geglückt kehren die Sänger ihre Charaktere heraus, preschen letztlich unfallfrei durch die Koloraturen, fügen sich aber als Ensemble bestens zusammen. (…) Jörg Halubek ist ein in barocken Affekten höchst erfahrener und inspirierender Dirigent, und das Staatsorchester ein in barocker Spielweise inzwischen ebenso versiertes Ensemble. Sie entfachen ein theatralisches Feuer, das Schlichtheit mit Raffinesse verbindet. (…) Die Musik ist unerhört lebendig.” (Nordwest Zeitung)

„Peters-Messer arbeitet diese psychologischen Tendenzen in einer geradlinigen Inszenierung unaufdringlich heraus. (…) Jörg Halubek erweist sich nach seinem „Hercules“ in der letzten Spielzeit erneut als Barock-Experte. Das Premierenpublikum belohnte das Ensemble derweil während der Vorstellung immer wieder mit Szenenapplaus, am Ende war der Jubel entsprechend groß für einen Abend, der Auge wie Ohr eine Menge zu bieten hatte.” (Kreiszeitung)


Xerxes hat gerade seine Geliebte Amastre verstoßen. Damit fängt das eigentliche Problem an, denn der legendäre Perserkönig ist fortan mehr mit Liebeshändeln als mit echten Kriegen beschäftigt, da er sich fatalerweise ausgerechnet in Romilda verliebt, die eigentlich glücklich mit seinem Bruder Arsamene liiert ist. Xerxes nutzt kurzerhand die erstbeste Gelegenheit, um seinen Bruder zu verbannen und somit freie Bahn zu haben. Seine Pläne wiederum kommen Romildas Schwester Atalanta gerade recht, denn sie hat ebenfalls ein Auge auf Arsamene geworfen. Ohne Rücksicht auf familiäre Verbindungen intrigiert man, schmiedet Rachepläne und treibt einander bis an den Rand des Selbstmordes – bis am Ende Xerxes’ verstoßene Geliebte zurückkehrt und sich die richtigen Paare wiederfinden: Xerxes und Amastre versöhnen sich und Arsamene findet wieder zu seiner geliebten Romilda. Einzig deren intrigante Schwester geht leer aus.
Angesichts der ebenso turbulenten wie amüsanten Handlung der Oper, die die Emotionen nicht nur musikalisch bis in ihre Extreme treibt, ist es heute kaum vorstellbar, dass die Oper bei ihrer Uraufführung im Jahre 1738 am King’s Theatre Haymarket in London zu einem Misserfolg wurde. Händel pflegt in ihr eine für seine Zeit vergleichsweise moderne Musiksprache: Er treibt die Handlung voran, indem er weitgehend auf lange Da-capo-Arien verzichtet, stattdessen kurze Liedformen wählt und Rezitativ und Arie häufig ungewöhnlich eng verzahnt. Zwar erinnert die drastische Komik des Sujets noch an wesentlich ältere Bühnenwerke, doch weist die Vermischung von Buffa- und Seria
tönen bereits auf Mozarts Opera buffa voraus. ‚Xerxes‘ lebt von einer äußerst intensiven und dadurch packenden Affektsprache und wurde inzwischen zu einem der beliebtesten Bühnenwerke Händels.


Barock-Pflege am Oldenburgischen Staatstheater

Einige Fragen an Jörg Halubek, den Musikalischen Leiter der Produktion ‚Xerxes’

Nach 'Hercules' in der vergangenen Spielzeit ist Jörg Halubek als Musikalischer Leiter der Produktion 'Xerxes' nun zum zweiten Mal am Oldenburgischen Staatstheater engagiert. Wir befragten den renommierten Barockexperten zum typischen Barockklang und seiner Arbeit mit dem Oldenburgischen Staatsorchester.

Herr Halubek, als ausgewiesenem Barockexperten liegt es ihnen besonders am Herzen, dem authentischen Klang möglichst nahe zu kommen. Was macht diesen typischen Barockklang konkret aus?
Zur sogenannten "historisch informierten Aufführungspraxis" führen vor allem zwei Wege – Klang und Notation. Zum Klang: Barockinstrumente unterscheiden sich in vielen Punkten vom heutigen Instrumentarium. Bei den Streichinstrumenten führen beispielsweise Darmsaiten und auch die besondere Bauform der Barockbögen zu einem ganz anderen Klang – obertonreicher, manchmal auch geräuschvoll und kratzig, vergleichbar mit den Konsonanten in der Sprache. In der Ästhetik des 17. und 18. Jahrhunderts sollten die Instrumente eben nicht nur singen, sondern auch sprechen und erzählen können! Manche Instrumente sind dann in den späteren Orchestern sogar ausgestorben, wie die Lauten und Cembali, die Sie in unserer Aufführung auch erleben. Zur Notation: Es wurde leider kaum etwas notiert. Wie in Jazz-Stücken ist die Partitur eher als Skizze zu verstehen. Sie regelt das Nötigste – es wurde erwartet, dass die Musiker die Artikulation, Phrasierung, Dynamik, die musikalisch-rhetorischen Figuren, den Charakter usw. selbst erkennen, dazu kam noch die reiche Verzierungskunst. Ein guter Sänger oder Instrumentalvirtuose wurde nicht daran bemessen, wie schön er einen langsamen Satz spielt, sondern wie schön er ihn verziert!

Im Falle des Oldenburgischen Staatsorchesters arbeiten Sie mit einem Orchester, das weder in seinem Repertoire noch in seinem Instrumentarium auf Barock spezialisiert ist ... mit einem Klangköper, zu dessen Alltag es gehört, heute Händel, morgen Puccini und übermorgen Musical zu spielen. Gleichwohl konnte man bereits eindrucksvoll erleben, wie überzeugend barock dieses Orchester klingen kann. Wie erreicht man dieses Ergebnis? Können Sie uns ein wenig aus der Proben- beziehungsweise Vorbereitungszeit berichten?
Die Keimzelle eines Barockorchesters ist die Kammermusikformation, beispielsweise ein Streichquartett, dazu Laute und Cembalo. Die Musik ist kontrapunktisch gedacht: Alle Stimmen streiten bzw. "concertieren" ebenbürtig miteinander – mal kommen die musikalischen Impulse von der Bassgruppe, mal von den zweiten Geigen usw.. Die Musik erwartet eigentlich keinen Dirigenten! Viele historische Quellen beschrieben, wie jede musikalische Figur (die meistens nur aus 3 bis 5 Tönen besteht) ihr eigenes Tempo, ihr eigenes rhetorisches Timing hat ... wie in der Sprache ein einzelnes Wort. Diese Nuancen in der Tempogestaltung zu finden, ist für mich der wichtigste Aspekt der barocken Musiksprache. So erst kann die Musik wieder lebendig, erzählend und mitreißend werden; damit haben wir uns in den Proben viel beschäftigt. Um die kammermusikalischen Freiheiten dann auch in einer größeren Besetzung zu erhalten, ist eine stabile und eher kleinere Besetzung wichtig – in Händels Opernorchester spielten etwa 30 Musiker. Das Oldenburgische Staatsorchester ist schon lange sehr engagiert im Bereich der Aufführungspraxis. Viele der Musiker beschäftigen sich selbst mit Barockinstrumenten auf sehr hohem Niveau! Die gemeinsame Probenarbeit war eine große Freude!

Die Fragen stellte Annabelle Köhler. Das gesamte Interview mit Jörg Halubek finden Sie im Programmheft.

Bilder

 

Besetzung

Musikalische Leitung: Jörg Halubek
Bühne und Kostüme: Markus Meyer
Dramaturgie: Annabelle Köhler
Xerxes, König von Persien: Yulia Sokolik
Arsamene, Xerxes Bruder: Leandro Marziotte
Amastre, Xerxes Braut: Hagar Sharvit
Romilda, Tochter Ariodates: Nina Bernsteiner/ Valda Wilson
Atalanta, Tochter Ariodates: Dana Marbach
Ariodate, Hauptmann: Tomasz Wija
Elviro, Arsamenes Diener: Aarne Pelkonen

Termine

Premiere — 10.10.2015

Dauer

150 Minuten

Spielstätte

Großes HausAnfahrt

Kurzeinführung

Barock-Basslaute