Themenschwerpunkt: Resetting Staatstheater

Neue theatrale Wege für Oldenburg

 

Mit der Sparte 7 haben wir unserer Vision der Demokratisierung des Theaters ein Label gegeben. Gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, Initiativen und Institutionen Oldenburgs haben wir partizipative Konzepte entwickelt, Theater niedrigschwelliger gemacht und unseren Kunstbegriff geöffnet. Jetzt gehen wir einen Schritt weiter und stellen uns grundsätzliche Fragen inhaltlicher und struktureller Natur: Sind die Hierarchie und die Abgrenzung der Kompetenzen z. B. zwischen Schauspielerinnen und Schauspielern und Regisseurinnen und Regisseuren noch zeitgemäß? Ist unser bildungsbürgerlicher Kanon noch für alle von Bedeutung? Ist das Primat der (deutschen) Sprache noch gerechtfertigt? Warum haben fast alle auf der Bühne und in der Leitung Abitur? Ist das Theater eine Parallelgesellschaft? Und wenn wir nicht weiter unter uns bleiben wollen, brauchen wir dann nicht (auch) andere Arten des Produzierens und Erzählens von Geschichten? Wir drücken die theatrale Reset-Taste und denken neu über Theater nach.

Dazu haben wir uns Experten für künstlerische Forschung ins Boot geholt: Das Institut für Medien, Theater und Populäre Kultur der Universität Hildesheim, von dem seit Jahren innovative Impulse ausgehen. Im Rahmen einer Exkursion besetzten die Studierenden für ein Wochenende mit Schlafsäcken unser Probenzentrum, lernten die Mitarbeiter/innen kennen und interviewten das Ensemble. Zwei Semester lang fühlen wir nun dem Staatstheater auf den Zahn, entwickeln Strategien und befreien uns für einen Moment vom Theater, wie wir es kennen, und von seinen Konventionen: Zunächst wird z. B. die Performance-Gruppe She She Pop unser Schauspielensemble in nicht-hierarchische, kollektive Arbeitsweisen einführen. Dann bilden wir neue Banden aus Ensemblemitgliedern und Künstlerinnen und Künstlern aus der freien Szene und brechen eingeschliffene Probenprozesse auf – zugunsten von gemeinsamen Konzeptions- und Recherchephasen, in denen von Anfang an alle auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Von der Fachzeitschrift Theater der Zeit lassen wir uns in diesem Prozess kulturjournalistisch begleiten und reflektieren. Und dem Publikum bereiten wir ein dreitägiges Fest, auf dem wir die Ergebnisse dieses künstlerischen Experiments präsentieren: das Performance-Festival BANDEN!
Dieses neue Festival wollen wir mit den alljährlich stattfindenden Jugendtheatertagen verbinden. Unter dem Titel JUNGE BANDEN! soll so ein Generationen verbindender Dialog über Theater ermöglicht werden.

Mehr Infos zu den Festivals finden Sie hier.