Cristina, Regina di Svezia

Jacopo Foroni (1825 — 1858)

Oper in drei Akten
Libretto — Giovanni Carlo Casanova
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Deutsche Erstaufführung


„Sturm und Rieckhoff gelingt ein in Bild und Spiel atmosphärisch und in der Klarheit der Personenführung unmittelbar einprägsames und äußerst schlüssiges Konzept. Diese deutsche Erstaufführung und exzellente Neuproduktion darf kein Operninteressierter verpassen.(...) Vito Cristofaro dirigiert das glänzend disponierte und begeisterungsfähige Oldenburgische Staatsorchester enthusiastisch und mit kraftvollen, farbenfrohen Akzenten, dabei mit viel Einfühlungsvermögen für die Sänger.”
(opernnetz.de)

„Hinreißend und klar abgesetzt bewegen sich Sängerensemble, Staatsorchester und Dirigent Vito Cristófaro zwischen einer äußeren prunkvollen und einer inneren von Gefühlen zerpflückten Welt. (...) Der bleibende Eindruck: eine Genietat, ein Wagnis, das voll aufgeht. Diese Jacopo-Foroni-Show verrät spätestens in Oldenburg das Format einer großen Repertoireoper. (Nordwest Zeitung)


Sie ist eine der schillerndsten Monarchinnen aller Zeiten – ebenso gebildet wie machtbesessen, freiheitsliebend wie intrigant, eine emanzipierte und kluge Frau, die sich in der rauen Männerwelt der Politik behauptet und gleichzeitig durch ihr rätselhaft androgynes Auftreten Irritationen schürt und zu Gerüchten mannigfaltiger Art Anlass gibt.

Ihr Weg zur Königsherrschaft ist seit frühester Kindheit vorgezeichnet: Als ihr Vater 1632 fällt, ist klar, dass sie als einziges Kind des Monarchen diesem im Amt nachfolgen wird. Wie ihr Vater bereits zuvor weitsichtig verfügte, wird sie „wie ein Mann“ erzogen und erhält eine umfassende Ausbildung. Ihr Wissensdrang ist dabei immens, doch ihre Tugenden als Herrscherin können mit ihrer Bildung nicht Schritt halten. Zwar schafft sie es, ihren Hof zu einem Zentrum der schönen Künste zu machen, doch lässt sie ihr Volk dafür bluten, das ohnehin unter den Folgen des gerade erst beendeten Dreißigjährigen Krieges ächzt. Sie nimmt sich in politischen wie in persönlichen Beziehungen jegliche Freiheit und lässt sich durch keinerlei Konventionen einengen.

Foroni zeichnet Königin Christina jedoch nicht allein als kalten Machtmenschen, sondern zeigt gerade auch die schmerzhaften inneren Widersprüche ihres Wesens auf. So scheint hinter all ihrer Rücksichtslosigkeit eine Frau auf, die von der Last der Königsbürde und dem Gewicht ihres hehren Familiennamens förmlich erdrückt, zwischen persönlichem Gefühl und Politik zerrissen und trotz all ihrer Macht von unendlicher Einsamkeit gequält wird. Am Ende steht folgerichtig ihre Abdankung, die sicherlich weit mehr bedeutet, als eine fürs protestantische Schweden spektakuläre Wendung der Monarchin zum Katholizismus.

Mit seiner Oper „Cristina, regina di Svezia“ stellte sich Jacopo Foroni 1849 dem schwedischen Publikum in Stockholm vor, nachdem er ein Jahr zuvor als Anhänger der revolutionären Kräfte sein Heimatland Italien hatte verlassen müssen. Die Oper war ein durchschlagender Erfolg, der Foroni den Weg in die höchsten Kreise des schwedischen Kulturlebens ebnete. Unverkennbar sind die Einflüsse des wenig älteren Verdi und anderer italienischer Zeitgenossen. Interessanterweise baut Foroni jedoch nicht allein auf dieser Musiktradition auf, sondern bezieht auch die Klangwelt der deutschen Romantik in seine Musik ein, mit der er nicht zuletzt durch sein umfangreiches Wirken als Dirigent bestens vertraut war. Was daraus entsteht, ist ein Personalstil, der Süden und Norden in einzigartiger Weise mit einander verbindet.

Nach dem tragisch frühen Tod des Komponisten gänzlich in Vergessenheit geraten, erlebte das Werk 2007 beim Vadstena Summer Opera Festival seine moderne Erstaufführung und wurde 2013 beim renommierten Wexford-Festival als Entdeckung des Jahres gefeiert. Das Oldenburgische Staatstheater zeigt nun die Deutsche Erstaufführung der Oper.

 

 

Die Premiere von ,Cristina, Regina die Svezia' wird live auf NDR Kultur und Deutschlandradio Kultur übertragen.


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Bilder

Besetzung

Musikalische Leitung: Vito Cristofaro
Regie: Michael Sturm
Bühne und Kostüme: Stefan Rieckhoff
Dramaturgie: Annabelle Köhler
Cristina: Miriam Clark
Maria Eufrosina: Melanie Lang/ Yulia Sokolik
Oxenstierna: Ill-Hoon Choung
Gabriele de la Gardie: Paulo Ferreira
Carlo Gustavo: Daniel Moon
Arnold Messenius: Tomasz Wija
Voce interna: Anna Avakian
Opern- und Extrachor des Oldenburgischen Staatstheaters u.a.

Termine

Premiere — 21.05.2016

Spielstätte

Großes HausAnfahrt