Sinfoniekonzerte

07./08.09.2014

1. SINFONIEKONZERT

Joseph Haydn (1732 — 1809) Sinfonie Nr. 59 Hob. (,Feuersinfonie‘)
Wolfgang Amadeus Mozart (1756 — 1791) Klavierkonzert C-Dur KV 467
Ludwig van Beethoven (1770 — 1827) 5. Sinfonie c-moll

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Mit Werken der drei großen Vertreter der Wiener Klassik wird die diesjährige Konzertsaison eröffnet.

Von Joseph Haydn, dessen kompositorische Praxis sowohl Mozart als auch Beethoven beeinflusste, sind über hundert Sinfonien erhalten. Möglicherweise wurde die Sinfonie Nr. 59 als Zwischenaktmusik zu einem Schauspiel ,Die Feuersbrunst oder Gute Freunde in der Noth das größte Glück‘ von Gustav Friedrich Großmann verwendet, weshalb sie den Beinamen ,Feuersinfonie‘ erhielt.

Das Klavierkonzert C-Dur komponierte Mozart nur vier Wochen nach seinem düsteren d-Moll-Konzert im März 1785 und führte es schon wenige Tage später auf. Dieses Konzert stellt den denkbar größten Gegensatz zum kurz zuvor geschriebenen dar und dokumentiert zugleich die ganze Ausdrucksvielfalt Mozarts. Der düstere Ton des Vorgängers scheint hier wie aus dem Gedächtnis gestrichen, und doch ist es, bei aller C-Dur-Klarheit, ein vielschichtiges Werk, das auf engstem Raum eine Reihe ganz unterschiedlicher Themen und Haltungen miteinander verknüpft.

Die ungeheure Popularität der 5. Sinfonie Ludwig van Beethovens heftet sich an eine von Beethovens Sekretär Schindler überlieferte Erklärung des Komponisten, welche Idee ihr zugrunde liege: „So pocht das Schicksal an die Pforte!". Das führte zur oft verwendeten Bezeichnung der Sinfonie als ,Schicksals-Sinfonie‘.

Nach dem Konzert am Montag Abend sind Publikum und Künstler zum kulinarischen Konzertausklang eingeladen.

Dirigent: Roger Epple
Solist (Klavier): Davide Cabassi

30.11./01.12.2014

2. SINFONIEKONZERT

Gustav Mahler (1860 — 1911) 3. Sinfonie d-moll

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„Meine Sinfonie wird etwas sein, was die Welt noch nicht gehört hat! Die ganze Natur bekommt darin eine Stimme und erzählt so tief Geheimes, das man vielleicht im Traum ahnt! […] Mir ist manches Mal selbst unheimlich zumute bei manchen Stellen, und es kommt mir vor, als ob ich das gar nicht gemacht hätte.“ (Gustav Mahler)

Die 3. Sinfonie Gustav Mahlers ist ein musikalisches Bildnis des Universums und gleichzeitig der Versuch, die Welt zu deuten. Mit dem Erwachen der Natur beginnt eine große Reise, eine Suche nach Antworten auf die ewigen Fragen von Glaube, Leben und Tod. Neben der hoch entwickelten Satz-, Form und Orchestertechnik der abendländischen Kunstmusik finden sich darin Anklänge von Militär- und Trauermarsch, Salon- und Tanzmusik, Kirchenton und Folklore, Posthornweisen und Kinderliedern und Imitationen von Naturlauten. Mit rund hundert Minuten Aufführungsdauer ist Mahlers ‚Dritte‘ eine der längsten Sinfoniender Musikgeschichte. Allein der erste Satz hat die Länge einer kompletten Haydn oder Mozart-Sinfonie. Sie bietet zudem einen außergewöhnlich großen Aufführungsapparat auf – ein riesig besetztes Orchester plus Alt-Solo und großen Chor. Gustav Mahler hat mit seiner ‚Dritten‘ jene Sinfonie-Konzeption verwirklicht, die er einmal so beschrieben hat: „Symphonie heißt mir eben: mit allen Mitteln der vorhandenen Technik eine Welt aufbauen.“ Mehr noch, für ihn war die Sinfonie Nr. 3 „selbst nur ein Instrument, auf dem das Universum spielt“.

Dirigent: Roger Epple
Solistin (Mezzosopran): Melanie Lang
Solist (Posthornsolo): Stefan Ruf

Damen des Opern- und Extrachores des Staatstheaters sowie Mitglieder des Lambertichores und der Ansgari-Kantorei Oldenburg
Einstudierung: Thomas Bönisch

Kinder- und Jugendchor des Staatstheaters
Einstudierung: Thomas Honickel

21./22.12.2014

3. SINFONIEKONZERT

Detlev Glanert (*1960) Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 op. 27
Maurice Ravel (1875 — 1937) ,Boléro‘
Gustav Mahler (1860 — 1911) 4. Sinfonie G-Dur weitere Informationen

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„Es hat mal jemand behauptet, die Musik ließe sich unterscheiden in Kopf-, Herz- und Bauchmusik. Darf ich in Anspruch nehmen, alle drei zu wollen?" Detlev Glanert

Den Komponisten Detlev Glanert verbindet mit Roger Epple eine langjährige Zusammenarbeit. Mehrere Uraufführungen Glanerts lagen in Epples Händen, und auch in der letzten Konzertsaison wurde in Oldenburg ein neues Werk uraufgeführt. Detlev Glanert – Composer in residence im Amsterdamer Konzertgebouw – zählt Gustav Mahler und Maurice Ravel zu seinen Vorbildern. Er gilt als Könner vor allem des Melodisch-Gestischen und als meisterhafter Orchestrator. Seine Werke spiegeln die Faszination durch die romantische Tradition wider, betrachtet von einem modernen Standpunkt. Nach seinen eigenen Worten will Glanert „Szenarien darstellen, die Erinnerungen in uns wachrufen".
Ravels ,Boléro‘, heute eines der meistgespielten Stücke des Konzertrepertoires, war zunächst als Ballettmusik konzipiert. Er ist bis heute sein populärstes Werk geblieben. Ravel selbst war dieser Ruhm ein wenig unheimlich. So soll er einmal zu Honegger gesagt haben: „Ich habe nur ein Meisterwerk gemacht, das ist der ‚Boléro‘, leider enthält er keine Musik."

Nachdem Mahler die Aufnahme des Wunderhorn-Liedes in die 3. Sinfonie verworfen hatte, wurde es dafür zum Ausgangspunkt der Komposition einer neuen, der 4. Sinfonie, als deren Finale es von vornherein konzipiert wurde.

Dirigent: Roger Epple
Solist (Klavier): Markus Bellheim
Solistin (Sopran): Nina Bernsteiner

01./02.02.2015

4. Sinfoniekonzert

Leonard Bernstein (1918 — 1990) Ouvertüre zu ,Candide‘
Aaron Copland (1900 — 1990) Klarinettenkonzert
John Adams (*1947) ,Short Ride in a Fast Machine‘
Antonín Dvořák (1841 — 1904) 9. Sinfonie e-moll op. 59 ,Aus der neuen Welt‘

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Leonard Bernsteins Grenzgänge zwischen Musical, Oper und Operette werden an keinem anderen.

Zwischen 1956 und 1989 entstanden fünf ‚Candide‘-Fassungen, die den Stoff von Voltaires Satire auf unterschiedliche Weise den Belangen des Musiktheaters anpassten. Der vielschichtige Charakter ist formal und stilistisch bereits in der Ouvertüre angelegt, mit der Bernstein seine musikalischen Ideen der ,Opern-Operette‘ brennglasartig bündelt. Aaron Copland komponierte sein 1950 uraufgeführtes Klarinettenkonzert für den Jazz-Klarinettisten Benny Goodman.

John Adams gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Minimal Music und ist der heute wohl populärste und erfolgreichste Komponist der USA. Komponiert im Jahr 1986, hat ,Short Ride in a Fast Machine‘ die symphonische Welt im Sturm erobert.

Antonín Dvorˇák gilt in Europa für viele als Komponist typisch böhmischer Folklore. Als Künstlerischer Direktor und Kompositionsprofessor in New York schrieb er im November 1892 einem Freund: „Die Amerikaner erwarten große Dinge von mir, vor allem soll ich ihnen den Weg ins gelobte Land und in das Reich der neuen, selbstständigen Kunst weisen, kurz, eine nationale Musik schaffen!" Am ausgeprägtesten finden sich diese Anregungen in dem ersten großen Werk, das in Amerika entstand, seiner neunten und letzten Symphonie mit dem Beinamen ,Aus der Neuen Welt‘, die 1893 mit sensationellem Erfolg in New York uraufgeführt wurde.

Dirigent: Roger Epple
Solist (Klarinette): Giampiero Sobrino

22./23.02.2015

5. Sinfoniekonzert

Robert Schumann (1810 — 1856) Ouvertüre, Scherzo & Finale, op. 52 und
Violinkonzert d-moll (op. posth.)
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 — 1847) Sinfonie Nr. 5 d-moll op. 107 (,Reformationssinfonie‘)

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Fast schien es, als sei Schumanns Violinkonzert d-moll dazu verurteilt, das Schicksal seines Schöpfers zu teilen, nämlich im Dunkel zu versinken. Es ist das letzte große Orchesterwerk des Komponisten, das kurz vor seinem Selbstmordversuch und seiner Einweisung in die Nervenheilanstalt Endenich entstand.

Angesichts der Krankengeschichte Schumanns wurden bald Zweifel laut, ob das Violinkonzert dem früheren Anspruch des Komponisten genüge. Lange versank das Konzert im Archivschlaf und erlebte ausgerechnet bei einer nationalsozialistischen Propagandaveranstaltung 1937 seine lange überfällige Uraufführung. Nach alldem sollte es Jahre dauern, bis es die Schatten seiner Vergangenheit abstreifen konnte. Beflügelt durch die erfolgreiche Leipziger Uraufführung seiner ‚Frühlingssinfonie‘ am 31. März 1841 hatte Schumann die Arbeit an einem weiteren großen Orchesterwerk in Angriff genommen. Schumann selbst betrachtete ‚Ouvertüre, Scherzo und Finale‘ nicht als sinfonisches Hauptwerk, sondern als locker gefügte Reihung orchestraler Charakterstücke.

Mendelssohns ‚Reformationssinfonie‘ bildet den versöhnlichen Abschluss dieses Konzertes. Bereits als 20-Jähriger macht der Komponist hierin den protestantischen Glauben zum Thema eines groß angelegten sinfonischen Werkes, das bekenntnishaft in eine überwältigende Choralbearbeitung von ‚Ein’ feste Burg ist unser Gott‘ mündet.

Dirigent: Sebastian Lang-Lessing
Solist (Violine): Lev Gelbard

26./27.04.2015

6. Sinfoniekonzert

Ludwig van Beethoven (1770 — 1827) Ouvertüre zu ,Die Geschöpfe des Prometheus‘, op. 43
Alexander Skrjabin (1872 — 1915) ,Prométhée — Le Poème du Feu‘, op. 60
Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840 — 1893) Sinfonie Nr. 6 h-moll, op. 74 (,Pathétique‘)

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Seit der Antike fasziniert die Figur des Prometheus den Menschen und wird zur Inspiration unterschiedlichster Künste. Er ist der Schöpfer und Lehrer des Menschengeschlechts, der diesem das Feuer geschenkt und es seine menschlichen Fähigkeiten gelehrt hat.

Beethoven versteht die Figur des Prometheus in seiner 1801 uraufgeführten Ballettmusik ganz aus dem Geist der Aufklärung, als denjenigen, der dem Menschen die Erkenntnis brachte, wobei er sich dezidiert gegen den herrschenden Götterwillen auflehnte. Für Skrjabin führt der Mythos darüber hinaus in eine Welt des Religiös-Mystischen. Der Künstler selbst wird hier zum prometheischen Charakter, der durch sein Werk – nahezu gottgleich – seinen Rezipienten erlöst, wobei das sinnliche Erleben von größter Bedeutung ist. So versucht der Synästhetiker Skrjabin mit ,Prométhée‘ ein Gesamtkunstwerk zu schaffen, das über die Musik hinaus, den Menschen durch eine ergänzende Farb-Licht-Dramaturgie in seinen Bann zu ziehen sucht.

Ans Innerste des Hörers rührt auch Tschaikowskis letzte Sinfonie, ist sie doch beredtes Abbild des bewegten Seelenlebens des Komponisten. Dieser sieht in ihr ein Programm verwirklicht, das ausgehend von Tatendrang über Liebe und Enttäuschung bis hin zum Gedanken des Sterbens die Grundsituationen menschlichen Lebens berührt. Die Sinfonie, die erst kurz vor Tschaikowskis Tod zur Uraufführung kam und von ihm zu seinen wichtigsten Werken gezählt wurde, kann so gewissermaßen als musikalisches Vermächtnis gelesen werden.

Dirigent: Roger Epple
Solist (Klavier): Markus Bellheim

Chor und Extrachor des Oldenburgischen Staatstheaters, Lambertichor Oldenburg, Chorgemeinschaft St. Willehad

07./08.06.2015

7. Sinfoniekonzert

Gioacchino Rossini (1792 — 1868) Ouvertüre zu ,La gazza ladra‘ (,Die diebische Elster‘)
Luigi Boccherini (1743 — 1805) Konzert für Violoncello und Orchester D-Dur G 479
Luciano Berio (1925 — 2003) Quattro versioni originali della ,Ritirata Notturna di Madrid‘ di L. Boccherini für Orchester
Richard Strauss (1864 — 1949) ,Aus Italien‘ op. 16

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Südländischer Geist durchströmt das siebte Sinfoniekonzert der Saison, in dem wir Höreindrücke von der italienischen Campagna bis Neapel, vom spanischen Hof bis zum Straßenleben Madrids sammeln können.

Boccherini hatte in Italien zunächst vor allem als Cello-Virtuose Furore gemacht, bevor er sich vermehrt auch aufs Komponieren verlegte und 1770 in Aranjuez in die Dienste des spanischen Hofes trat. Aus diesen frühen Jahren in Spanien stammt das Cello-Konzert in D-Dur, das Kantabilität mit höchstem virtuosem Anspruch verbindet. Dass Boccherini auch jenseits des Hofes die Ohren offen hielt, beweist sein ursprünglich für Streichquintett entstandenes und von Luciano Berio für großes Orchester bearbeitetes Werk ,Ritirata Notturna di Madrid‘, in dem er Höreindrücke aus den nächtlichen Straßen der spanischen Hauptstadt musikalisch verarbeitet. Da tönen die Abendglocken zum Gebet, erklingt das typische Lied der blinden Bettler und kehren die Soldaten zur heimischen Kaserne zurück.

Ähnlich bildhaft verarbeitet der erst 22-jährige Richard Strauss die Eindrücke und Erlebnisse seiner Italienreise vom Frühjahr 1886 in seiner ersten Tondichtung. Wie überwältigend und inspirierend dabei Natur und Kultur Italiens auf den jungen Komponisten gewirkt haben müssen, beweist die Vielfalt der musikalischen Einfälle, die von impressionistisch anmutenden Landschaftsmalereien über musikalische Reflexionen zu den Baudenkmälern der Antike bis hin zur Parodie zeitgenössischer Gassenhauer reicht.

Dirigent: Vito Cristofaro
Solist (Violoncello): Peter Bruns

12./13.07.2015

8. Sinfoniekonzert

Laurent Petitgirard (*1950) ,États d’âme‘
Paul Dukas (1865-1935) ,La Péri‘
César Franck (1822-1890) Sinfonie d-moll

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Ganz im Zeichen französischer Musik steht das achte Sinfoniekonzert, das mit einem der aktuellsten Werke Laurent Petitgirards, dem Konzert für Alt-Saxophon ,États d’âme‘* eröffnet wird. * zu Deutsch: Seelenleben, Gemütszustand, Gewissen

Petitgirards Konzert stellt mit dem Saxophon ein Instrument in seinen Mittelpunkt, das in den 1840er Jahren über die französische Musik seinen Weg ins Sinfonieorchester fand und durch höchste Virtuosität ebenso wie durch die Magie seiner Klänge besticht. Als Solist wird dabei Michel Supéra zu hören sein, der das Werk 2013 mit großem Erfolg aus der Taufe hob.

Paul Dukas bezieht sich in seiner Ballettmusik ,La Péri‘ auf eine altpersische Legende, nach der König Iskender sich auf die Suche nach der Blume der Unsterblichkeit begibt, sie auch in den Händen einer schlafenden Peri findet, letztendlich aber der Schönheit des Feenwesens verfällt und damit seine Chance auf das ewige Leben verspielt. In ihren noch von der Romantik beeinflussten impressionistischen Klängen gibt die Ballettmusik eindrücklich Zeugnis von Dukas’ phänomenaler Orchestrierungskunst.

Völlig neue Wege will César Franck mit seiner 1888 vollendeten Sinfonie d-moll beschreiten. Dass der Komponist darin Elemente französischer und deutscher Sinfonik verbindet, ist in der Zeit der Entstehung des Werkes umstritten. Unbeirrt geht Franck jedoch seinen musikalischen Weg weiter und schafft so ein Werk, das den Vergleich zu den Sinfonien der großen Spätromantiker nicht zu scheuen braucht.

Solist (Saxophon): Michel Supéra