Dokusoap. Episode 451

ein Projekt von Luise Voigt

Uraufführung

 

Würde man sich in einer fernen Zukunft ein Bild von unserer Zeit machen wollen und zu diesem Zweck das heutige Fernsehprogramm untersuchen, so würde vor allem eines in den Blick fallen: die Flut von Dokusoaps, die die privaten Sender vom Vormittag bis in den frühen Abend hinein regelrecht überschwemmt. Dokusoaps sind ein Phänomen unserer Zeit. Aber warum sind diese Formate so erfolgreich? Was wäre wohl die Diagnose in der zukünftigen Forschung?

Es ist eine gängige künstlerische Technik der Gegenwart, kunstfremdes Material in den Kontext der Kunst zu überführen. Denn vieles, was uns sonst „so nebenbei“ und ganz selbstverständlich umgibt, kann durch den Zugriff der Kunst in völlig neuem Licht erscheinen. Etwas gänzlich Profanes oder Banales wie die beliebige Folge einer beliebigen Dokusoap entblättert sich wie unter einem Mikroskop und wird sichtbar als das, was sie einmal sein wird: ein Dokument, das wir hinterlassen.

In dem festgefügten Format einer Folge Dokusoap, die nach uralten Prinzipien getimt und geschnitten ist, werden scheinbar „echte Menschen“ und ihre Schicksale gezeigt. „Echte Tränen“ fließen und reißen die Zuschauerinnen und Zuschauer in den Bann ihrer Identifikationsfiguren. In unserer Dokusoap werden, dem Format gemäß, Menschen in ausweglosen Situationen gezeigt. Unser Fernsehteam rückt an und macht sie wieder glücklich. Denn eine neue Wohnungseinrichtung ist das, was ihre Tränen der Verzweiflung in Tränen der Freude verwandeln wird. ‚Dokusoap. Episode 451‘ lädt ein, mit anderen Augen auf ein Dokument unserer Zeit zu schauen, das viel mehr Kulturgeschichte in sich trägt, als es zunächst mit all seiner vordergründigen Banalität den Anschein haben mag.

Besetzung

Regie: Luise Voigt
Video: Stefan Bischoff

Termine

Premiere — 23.02.2018

23.02. 20.00 Uhr
VVK ab: 15.12.

Spielstätte

ExerzierhalleAnfahrt