Schönheit (UA)

von Nino Haratischwili

Uraufführung

Serienmörder kennen wir aus Film und Fernsehen zur Genüge. Sie tragen klangvolle Namen wie ,Kannibale von Rotenburg‘, ,Würger von Riga‘ oder ,Hamann mit dem Hackebeilchen‘. Sie morden aus niederen Beweggründen, sind schizophren oder bestiengleich und der Blick in ihre Seelen, der uns in Krimis und Psychothrillern gewährt wird, ist meist albtraumhaft. Doch derlei Geschichten sind kein Phänomen der Neuzeit: Unzählbare Legenden früherer Epochen ließen den Menschen schon damals das Blut in den Adern gefrieren. Eine davon ist die der „Blutgräfin“ Elisabeth Báthory, einer Dame aus dem Hochadel, die von 1560 bis 1614 in Ungarn lebte. Sie wurde in frühen Jahren vermählt und blieb kinderlos, was zur damaligen Zeit als Gottesstrafe galt. Die Legende besagt, dass Báthory dem Wahn verfiel, ewig jung bleiben zu wollen, und das Mittel, welches sie sich hierfür verschrieb, war das Baden in Jungfrauenblut. Diesem dubiosen Verlangen, so die Sage, fielen nach und nach erst ihre Kammerdienerinnen und dann immer mehr Töchter aus gutem Hause zum Opfer. Erst 1610 wird Elisabeth verhaftet, vor Gericht gestellt und verurteilt. Als Strafe für die Morde an hunderten junger Frauen wird sie bei lebendigem Leibe auf ihrem Schloss eingemauert und stirbt vier Jahre später den Hungertod. Ihre Geschichte wurde zu einem der Vorbilder für Bram Stokers Graf Dracula. 300 Jahre nach den historischen Ereignissen haucht die Dramatikerin und Trägerin des begehrten Anna-SeghersPreises Nino Haratischwili diesem uralten Mythos neues Leben ein. Sie zeichnet dabei das Porträt einer äußerst emanzipierten und machtbewussten Frau, die für sich das einfordert, was bisher nur Männern zustand: ein in allen Bereichen selbstbestimmtes Leben. Mit ihrer wundervollen poetisch-morbiden Liebesgeschichte stellt die junge Autorin letztendlich auch die Frage, ob die Gräfin tatsächlich ihren eigenen erotischen Gelüsten zum Opfer fiel oder doch eben nur einer Palastrevolte des Patriarchats, welche die späteren Legenden verschleiern sollte. Ein modernes Märchen in der Gewandung alter Zeiten.

Besetzung

Bühne: Jeremias Böttcher
Musik: Mascha Schubert

Termine

Premiere — 07.10.2016

07.10. 20.00 Uhr
11.10. 20.00 Uhr
14.10. 20.00 Uhr
16.10. 18.00 Uhr
18.10. 20.00 Uhr
21.10. 20.00 Uhr
23.10. 18.00 Uhr

Spielstätte

ExerzierhalleAnfahrt