Die Tanten

Deutschsprachige Erstaufführung

Roel Adam

Deutsch von Sarit Streicher und Matthias Grön
Ab 10 Jahren

„Wild und witzig(...)Manch einer kann sich kaum auf dem Stuhl halten.(...)versteckt sich hinter all der Komik auch eine gewisse Tiefe? Klare Antwort: Ja(...)Das sollte man gesehen haben, auch um mal wieder herrlich lachen zu können.” (NWZ)


„Das Recht einer Tante wiegt immer mehr als das eines Neffen. Das steht im Gesetz.”

Joris möchte einfach nur seine Ruhe haben. Chips essen, Cola trinken und seine Comics lesen. Seitdem seine Mutter vor einem Jahr gestorben ist, wohnt er ganz allein in dem Haus, das einmal ein Fischrestaurant gewesen ist. Wenn es nach ihm ginge, könnte das so bleiben. Doch leider geht es nicht nach ihm. Denn eines Tages fallen seine drei Tanten bei ihm ein, die er noch nie zuvor gesehen hat, und wollen „Die vier Schwestern“ wieder zu einem Top-Restaurant machen – und sich nebenbei das Haus unter den Nagel reißen. Joris soll den gut gelaunten Kellner geben. Als wäre das nicht schon ärgerlich genug, taucht plötzlich auch noch ein ominöser Landstreicher auf, der alle in helle Aufregung versetzt.

Roel Adams preisgekrönte Komödie, 2014 an der Amsterdamer Toneelmakerij uraufgeführt, avancierte in den Niederlanden innerhalb kürzester Zeit zum Kassenschlager. Kein Wunder, denn diesen skurrilen Charakteren kann man sich unmöglich entziehen. In Oldenburg werden „Die Tanten“ zum ersten Mal im deutschsprachigen Raum gespielt.

 

 

Interview zum Stück mit dem Autor Roel Adam

Sie schreiben häufig über sehr ernste Themen. Wie kamen Sie auf diese Geschichte, die zwar einen ernsten Kern hat, aber doch eine Komödie ist?

Eigentlich denke ich beim Schreiben nie an Themen. In meinen Stücken probiere ich, Personen zu erfinden, die in einer Konfliktsituation sind. Im Theater geht es immer um Konflikte. Dadurch ist das Wesen des Theaters — ob es sich nun auf eine tragische oder komische Art und Weise äußert — immer ernst. Bei den „Tanten“ geht es um die Geschichte eines verwahrlosten Kindes, das im Konflikt mit der erwachsenen, egoistischen Welt steht. Und ich gebe zu, dass ich den Lebenswillen von Joris und seinen Widerstand, sich anzupassen, sehr, sehr liebe.

 

Schon in Amsterdam und zum Teil auch bei uns werden die drei Tanten von Männern und Joris von einer Frau gespielt. Wie finden Sie das?

Die Idee, die Tanten von Männern spielen zu lassen und Joris von einer Frau, kam von mir. Es ist nicht zwingend notwendig. Aber die Veränderung der Geschlechter kann das Ganze schärfer und herber machen, also auch komischer. 

 

Was ist schwieriger zu schreiben? Eine Tragödie oder eine Komödie?

Ich denke, dass es schwieriger ist, eine Komödie zu schreiben als eine Tragödie. Schon das Düstere einer Tragödie scheint seine Existenz zu rechtfertigen. Die Annahme, dass es in einer Tragödie „um etwas geht“ beschönigt viel und gibt einem schnell die Illusion einer bestimmten Bedeutsamkeit. Im Jugendtheater spricht man dann von dem sogenannten pädagogischen Wert. Eine Komödie stellt mit seiner Verspieltheit hohe Anforderungen an das Fachwissen des Schauspielers und Autors. 

 

Fällt es Ihnen schwer, Ihre Geschichten an einen Regisseur abzugeben und nicht beeinflussen zu können, wie er sie auf der Bühne inszeniert?

Ich probiere keine Geschichten auf die Bühne zu bringen, sondern Geschehnisse. Ein Regisseur ist natürlich ganz frei in der Wahl, wie er inszeniert. Solange er dem Text, der geschrieben wurde, treu ist. Ich sehe die Aufgabe des Regisseurs vor allem darin, die verschiedenen Elemente einer Produktion zusammenzuführen und zum Leben zu erwecken: Text, Spieler, Bühne, Geräusche, Licht, etc. Ein Regisseur, der mit aller Gewalt seinen Stempel auf die Vorstellung drücken möchte, steht zu oft dem Erfolg der Produktion im Weg. Die Spieler wirklich zum Spielen zu bringen ist, was er machen sollte. Denn Schauspielen ist nicht etwas, was man lernen kann, sondern etwas, was man jedes Mal neu erfinden muss. Schauspielen muss man tun. „To act“ sagt man auf Englisch. Ein Regisseur, der seine Spieler dazu bringen kann, ist ein Künstler.  

Video

Bilder

 
 

Besetzung

Bühne: Michael Böhler
Kostüme: Ariane Albani
Dramaturgie: Anna-Teresa Schmidt
Desiree: Johannes Lange
Cunera: Lisa Jopt

Termine

Premiere — 11.12.2016

Dauer

90 Minuten

Spielstätte

ExerzierhalleAnfahrt