Die Netzwelt

von Jennifer Haley


„Das Ensemble agiert stark, jeder Satz sitzt, die Spannung hält bis zum Schluss an. Darf man Fantasie durch Moral stoppen? Darf es kein falsches Leben im richtigen Netz geben? (...) Passend zu Pfingsten wurde im Staatstheater über einen neuen Geist nachgedacht. Am Ende mächtiger Beifall für ein Stück, das zur Diskussion anregt. Was Theater eigentlich immer sollte.”
(Nordwest Zeitung)


Wir verabreden uns über E-Mails und chatten mit Freunden, verbreiten die Bilder vom letzten Urlaub, finden blitzschnell heraus, wie man den Herd repariert oder sich eine Krawatte bindet, wir senden Zeichen in die ganze Welt oder bestellen Bücher, Kleidung, Medikamente und das Mittagessen über Online-Shops. Kurz: Keine andere Erfindung hat so nachhaltig unser Arbeiten, Denken, Lernen, Lieben, Schreiben, Sprechen – ja, unser ganzes Handeln verändert, wie dieses neue Medium der Kommunikation. Scheinbar allen Bedürfnissen bietet das Netz Befriedigung. Auch jenen Bedürfnissen, die bisher in der realen Welt – vielleicht aus guten Gründen – keinen Platz finden. Bedürfnissen, wie wir sie nicht einmal unserem besten Freund, wohl aber dem Internet preisgeben …

Jennifer Haley beschreibt in ihrem Science-Fiction-Drama ,Die Netzwelt‘ einen Ort in nicht allzu ferner Zukunft, an dem diese düsteren Gelüste – wenn auch nur virtuell und gegen Bezahlung – befriedigt werden. Menschen, deren Verlangen sie in der Realität zu Verbrechern macht, flüchten hierher, auch auf die Gefahr hin, sich in Sex, Gewalt und Obsession zu verlieren. An einen Ort, dessen bloße Existenz für die meisten Menschen ein Verbrechen ist – ein Ort zwischen Sodom und Gomorrha, zwischen Eros und Thanatos. Aber ist eine Tat, die nur gedacht wird, eine Tat, die nur zwischen Bits und Bytes, zwischen Nullen und Einsen stattfindet, eine Tat, die vermeintlich niemandem Schaden zufügt, strafbar? Weil sie böse Triebe reproduziert? Weil sie unseren Blick auf die Wirklichkeit verändert? Weil sie diejenigen beglückt, deren Glück Unheil bedeutet? Wer will richten in einem Stück über ein Morgen, das mit Sicherheit kommen wird und das so gar nicht passen will in die Utopien eines Steve Jobs oder Marc Zuckerberg?

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Bilder

 

Besetzung

Bühne: Jürgen Höth
Kostüm: Nina Kroschinske
Licht: Sofie Thyssen
Dramaturgie: Jonas Hennicke
Woodnut: Rajko Geith
Sims/Papa: Klaas Schramm

Termine

Premiere — 04.06.2017

Dauer

90 Minuten

Spielstätte

Kleines Haus Anfahrt

Kurzeinführung