Die Gerechten

von Albert Camus

 

„Hier wird (...) ein Stück inszeniert, das unerwartet spannend auf die Bühne des Kleinen Hauses kommt. Vor allem dank des großartigen Ensembles, das bis in die kleinste Rolle überzeugt. (...) Theater muss womöglich nicht immer aufregen, aber schon zum Nachdenken animieren. Und wenn es nebenbei noch unterhält, ist es beinahe perfekt.” (Nordwest Zeitung)


Es gab eine Zeit, da war Terror noch unschuldig. Eine Zeit, in der klar schien, wer unten und wer oben, wer arm und wer reich, wer Volk und wer Tyrann war. Eine Zeit mit Begriffen wie „Verelendung der Massen“ und „Dekadenz der Herrschenden“. Erstere trugen Lumpen an den Füßen, letztere Zylinder auf den Köpfen. Eine Zeit, da hieß „Terror“ noch nicht „Terror“, sondern „Propaganda der Tat“, und der Tyrannenmord wurde in Liedern besungen. In diese historische Epoche fällt der Mord am russischen Großfürsten Sergej im Winter des Jahres 1905 durch eine Gruppe Sozialrevolutionäre. Ein Anschlag auf die Kutsche des Monarchen – nicht ungewöhnlich in dieser unruhigen Zeit dennoch exzeptionell, da die Attentäter einen vormaligen Versuch unterbrachen, weil der Fürst in Begleitung von Frau und Kindern war. Auf der Basis dieser historischen Ereignisse schrieb Albert Camus 40 Jahre später im Angesicht der Wirren zweier Weltkriege und des Widerstands der französischen Résistance gegen den Faschismus sein Ideendrama ,Die Gerechten‘. Hierin stellte er die Frage, ob Gewalt gegen Unrechtsregime ein probates Mittel der politischen Auseinandersetzung sein kann, auch wenn dadurch möglicherweise Unschuldige getötet werden. Was tun? Welcher metaphysische Nimbus lässt den Zweck die Mittel heiligen? Was macht aus Mördern und Terroristen plötzlich Partisanen, Guerilleros und Freiheitskämpfer? Alles Fragen, wie sie auch im Deutschland der 1960er und 1970er Jahre wieder virulent wurden, als es in den Pamphleten der RAF hieß, „… der Typ in der Uniform ist ein Schwein, das ist kein Mensch … und natürlich kann geschossen werden“. Aber auch Fragen, wie sie heute wieder aktuell sind, wenn vielerorts Terror statt Diplomatie zum Mittel der Kommunikation geworden zu sein scheint. Ein kluges Drama über Märtyrer, Mord und Moral.

Bilder

 

Besetzung

Regie: Peter Hailer
Ausstattung: Martin Fischer
Sounddesign: Matthias Mohr
Licht: Ernst Engel
Dramaturgie: Jonas Hennicke
Dora Dulebow: Agnes Kammerer
Boris Annenkow: Yassin Trabelsi
Stepan Fjodorow: Magdalena Höfner
Alexej Woinow: Nils Andre Brünnig
Ivan Kaljajew: Johannes Lange
Skuratow: Matthias Kleinert
Die Großfürstin: Lisa Jopt

Termine

Premiere — 25.02.2017

Dauer

80 Minuten

Spielstätte

Kleines HausAnfahrt

Kurzeinführung